Angeschaut: Daybreakers

Okt 05

Angeschaut: Daybreakers

Anspruchs­lose Unter­hal­tung – das trifft es am Bes­ten in mei­nen Augen.  Der ScienceFiction/Vampirfilm aus dem Jahre 2009 greift einige inter­es­sante Ansätze auf, ver­saut sie aber, wenn es um Emo­tio­na­li­tät und Immer­sion des Zuschau­ers geht.

 

 

 

Worum geht es?

Im Jahr 2019 hat ein mys­te­riö­ser Virus große Teile der mensch­li­chen Bevöl­ke­rung in Vam­pire ver­wan­delt, die begon­nen haben, ihr Leben dar­auf ein­zu­stel­len. Öffent­lich aus Laut­spre­chern aus­ge­ru­fene Tages­an­bruch­war­nun­gen wie auch Fahr­zeuge mit Tag­mo­dus, dann durch Sen­so­ren und Kame­ras zu steu­ern, gehö­ren dazu. Die mensch­li­che Bevöl­ke­rung wird gejagt und in große Kom­plexe gesperrt, die an die Far­men aus Matrix erinnern.

In der dre­ckig schmut­zi­gen Welt von Day­brea­kers kom­men Hom­ma­gen an die Noir-Kultur jedoch nicht zu kurz. Ket­ten­rau­chende Vam­pire, die im Trench­coat in der U-Bahnstation mit Blut ver­setz­ten Kaf­fee trin­ken, haben was, muss ich geste­hen. Gene­rell domi­nie­ren die Far­ben grau, schwarz und blau.

Aber es ist nicht alles gut für Mr Longfang – immer weni­ger Men­schen sor­gen dafür, dass die Vam­pir­po­pu­la­tion zuse­hends ver­hun­gert und dar­über hin­aus dege­ne­riert. Diese soge­nann­ten Sub­si­ders wer­den zu einer Bedro­hung für die nor­ma­len Vam­pire und so forscht man an einem Blutersatz-Stoff.

Der Häma­to­loge Edward Dal­ton, gespielt von Ethan Hawke, ist unter den lei­ten­den Wis­sen­schaft­lern bei die­sem Pro­jekt und auch offen­bar selbst ange­wi­dert von Gedan­ken, mensch­li­ches Blut zu trin­ken und dege­ne­riert so auch lang­sam. Bei einer Rück­fahrt von der Arbeit rammt er in einem Unfall einen Wagen vol­ler flüch­ten­den Men­schen und gewährt die­sen Unter­schlupf, als die Poli­zei kommt, um den Unfall zu untersuchen.

Damit nimmt die Geschichte ihren Lauf und Dal­ton bekommt Kon­takt nicht nur zu eini­gen Men­schen, die ver­steckt auf einem ehe­ma­li­gen Wein­gut leben und sogar einen vam­pi­ri­schen Sena­tor bei sich haben, der Ihnen hel­fen will, nein, er lernt auch Lio­nel „Elvis“ Cor­mac ken­nen. Die­ser Mann, gespielt von Wil­lem Dafoe, ist ein ehe­ma­li­ger Vam­pir und wurde durch die Macht der Sonne geheilt. Der Trick war nur, das Feuer früh genug zu löschen. Und so begin­nen die Prot­ago­nis­ten, die Vam­pir­seu­che zu bekämp­fen. Der Rest wird nicht verraten.

An sich gar keine schlechte Geschichte, aber sie lei­det unter einem mas­si­ven Manko. Die Gefühls­welt der Vam­pire, die so wich­tig ist in einem Film um die ver­lo­rene Mensch­lich­keit und die Wie­der­er­lan­gung der­sel­ben, wird nur mini­mal ange­kratzt. Die Fall­höhe des Nie­der­gangs vom Men­schen zum Raub­tier wird nicht ansatz­weise deut­lich. Ethan Hawke hat deut­lich bes­sere schau­spie­le­ri­sche Leis­tung in ande­ren Fil­men gebracht, aber die­ses quasi gelang­weilte Gesicht gehört nicht dazu.

Was an Gefühls­wel­ten fehlt, wird an Splat­ter­ef­fek­ten im hin­te­ren Drit­tel des Fil­mes wie­der rein­ge­holt. Kör­per­teile wer­den abge­ris­sen, Blut­fon­tä­nen sprit­zen, Brust­körbe wer­den zer­fleischt. Da hilft auch nicht das quasi poe­ti­sche Gleich­nis am Ende des Fil­mes, dass aus der Bes­tia­li­tät wie­der Mensch­lich­keit erwächst.

Ich will nicht unken, der Film war durch­aus kurz­wei­lig und unter­halt­sam, aber taugt eben nicht mehr als zu einer net­ten Abend­be­schäf­ti­gung. Ein Ver­gleich mit Fil­men wie Inter­view mit dem Vam­pir oder Wir sind die Nacht ist aller­dings kei­nes­falls vor­zu­neh­men. Dafür fehlt Tiefgang.

Die Spe­zi­al­ef­fekte wis­sen zu gefal­len und sind teils auf­wen­dig insze­niert. Man­ches mal so rich­tig schön eklig. Die Film­mu­sik von Chris­to­pher Gor­don ist dezent und ange­nehm futu­ris­tisch in man­chen Sze­nen, drängt sich aber nie unpas­send auf.

Für mich waren es keine ver­geu­de­ten 98 Minu­ten (übri­gens auch eher unge­wohnt kurz für Filme die­ser Tage), aber lange erin­nern werde ich mich nicht an den Film.

Gese­hen habe ich den Film im Internet-Stream eines gro­ßen Ver­leih­diens­tes, daher bespre­che ich keine etwai­gen Extras von DVD oder BluRay.

Die har­ten Fakten:

  • Dar­stel­ler: Wil­lem Dafoe, Sam Neill, Ethan Hawke, Isa­bel Lucas, Clau­dia Karvan
  • Regisseur(e): Michael Spie­rig, Peter Spierig
  • For­mat: Dolby, PAL, Widescreen
  • Spra­che: Deutsch (DTS-HD 7.1), Eng­lisch (DTS-HD 5.1)
  • Bild­sei­ten­for­mat: 16:9 — 2.35:1
  • FSK: Frei­ge­ge­ben ab 16 Jahren
  • Erschei­nungs­ter­min: 27. August 2010
  • Pro­duk­ti­ons­jahr: 2009
  • Spiel­dauer: 98 Minuten
  • Preis: ab 5,99 EUR
  • Bezugs­quelle: Ama­zon (Klick)

Trai­ler


Die­ser Arti­kel ist Teil der The­men­tage „From the grave

 

 

 

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2 Kommentare

  1. Chabneruk /

    Der hätte ein düs­te­re­res Ende ver­dient (ohne Spoi­lern zu wol­len). Der Twist war mir zu gewollt. Ansons­ten recht kon­se­quent wei­ter­ge­dacht, als „was wäre wenn“-Szenario.

  2. Hehe, ich kann dir wie­der mal nur zustim­men Roger!

    Ich hatte den Film bereits gese­hen, irgend­wann vor ein paar Mona­ten. Und ich musste erst den hal­ben Arti­kel lesen bis mir das klar gewor­den ist!

    Der Film war wirk­lich ganz unter­halt­sam, aber packt einen nicht auf der emo­tio­na­len Ebene.

    Da fehlt ein­fach Tief­gang. Glei­tet in Splat­ter und Effekt­ha­sche­rei ab.

    Ich bin wie­der erstaunt wie genau du alles auf den Punkt triffst!

    LG
    Tony

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