Roger Lewin ist Chefredakteur von Teilzeithelden und wurde in den frühen 70ern geboren. Er schätzt atmosphärisches Spiel und cineastische Systeme, die taktischen Tiefgang bieten. Mit simulativen Schwergewichten kann man ihn jedoch jagen. Seinen mathematisch-taktischen Anspruch erfüllt er bei Tabletops, da vor allem WH40K und X-Wing. Mehr über Roger erfahrt ihr mit einem Klick auf seinen Namen im Kopf des Artikels.

 

LARP & Cosplay
Mai 3, 2012 Geschrieben von Roger Lewin

Die große Zeit des Vampire Live – 1992 bis 1999

Die große Zeit des Vampire Live – 1992 bis 1999

1990 hatte ich begonnen, Rollenspiel zu betreiben. Wir spielten DSA und Shadowrun, hatten kurz in andere Systeme reingeschnuppert, blieben aber bei den beiden genannten. Irgendwann am Anfang des Jahres 1992 kam dieser Anruf „Hey, haste Lust auf ein neues Rollenspiel?“ „Klar, was denn?“„Da spielt man Vampire und es spielt in der Jetztzeit in einer düsteren Parallelwelt.“ – „Vampire? Wie das denn? Sind wir dann die Bösen und jagen Heldengruppen?“ – Lachen am anderen Ende – „Nene, lass uns mal treffen und Charaktere machen. Bring deine Freundin mit. Die wird das auch mögen!“.

Damit war es geschehen. 1992 saßen wir also zusammen und machten, blauäugig wie wir waren bezüglich der noch jungen World of Darkness, Charaktere. Mein erster Charakter war ein Ventrue, ein Clan, den ich danach nie wieder gespielt habe. So ungewöhnlich das Szenario und die Spielweise war, Henning wird noch darüber schreiben, so fasziniert waren wir von diesem komplett anderem Ansatz.

Kein echtes Gruppenspiel, viel Platz für eigene Bestrebungen und immer wieder der Versuch, die anderen Mitspielercharaktere in die Pfanne zu hauen. Intrigen – herrje, die ersten Intrigen bestanden aus dem Lauern mit Hammer und Pfahl hinter einer Tür, das war gänzlich neu. Vorher war man ja brav nach dem Motto „Einer für alle, alle für einen“ durch die Gegend getrottet. Das war nun vorbei.

Matthias Nattenweiler, Gangrel

Nicht einmal ein Jahr später hatte jeder von uns sein eigenes Vampire: The Masquerade Regelwerk  und so las auch jeder den Passus über Live Action Roleplay. Klar, ich hatte schon ein wenig Fantasy LARP Erfahrung, aber auch da wurde es irgendwann einmal langweilig, dauernd Drow, Orks, Dämonen, Untote oder anderes Kroppzeug zu verdreschen. Darstellerisch war ich damals lange nicht so sicher, wie ich es heute bin. Aber auch hier hat VtM etwas bewirkt.

Wir saßen also wieder einmal zusammen – Kerzenlicht und Rotwein war schon lange Usus bei unseren Vampire Runden – und hatten die Idee, doch die eine oder andere Szene auszuspielen, also ordentlich, inklusive bewegen, anfassen und agieren. Sicher erschien das damals stümperisch und plump, aber wir fanden uns saumäßig cool. Und so war die Idee geboren, die mich die nächsten 11 Jahre lang sehr fesselte. Wieso nicht dauerhaft so etwas machen?

Wir begannen mit Freunden zu sprechen und Charaktere zu entwerfen. Ein eigenes Live-Regelwerk gab es damals noch nicht, daher arbeiteten wir mit Charakterbögen aus dem Tischrollenspiel, legten uns entsprechende Gewandungen (oftmals geschmälert durch das wenige Geld, dass man als Student verdiente) zu und trafen uns in Wohnzimmern und Hinterhöfen. Natürlich machte das die Runde und es wurden mehr und mehr Mitspieler. Da bislang alles eher halbherzig und nebenbei betrieben worden war, hatten wir die Idee, alle Spieler auf einen großen Event einzuladen.

Sophia Leonard, Tremere

Geboren war der „Ball des Grauens“, der noch lange Jahre bestehen sollte. Der erste Ball jedoch war… ich glaube, „schräg“ trifft es am besten. Spieler aus ganz Nordrhein-Westfalen erschienen mit wilden Charakterkonzepten. Darunter war der Lasombra antitribu Fürst von Krefeld mit seinem Ravnos Erstgeborenen, ein Assamite der vierten Generation, der nachher von einem Rudel Get of Fenris die Toilette heruntergespült wurde und noch viele mehr, so dass ich alles heute gar nicht mehr weiß.

So wild und bunt gespielt haben wir nie mehr, aber es war der Anfang. Bald stellten wir fest, dass es ja noch andere live bespielte Domänen im Ruhrgebiet gab, von denen Bochum für uns aus dem Vest/Recklinghausen anfangs am wichtigsten war. Durch die überregionalen Kontakte wurde unser Spiel auch gefördert. Die Gewandungen wurden besser, die Darstellung wurde besser, alles gewann an Qualität.

Der nächste Schritt war die logische Folge. Nachdem wir Kontakte zu den begnadet spielenden Heidelbergern, den total kranken und großartigen Frankfurtern, den visionären Hamburgern, den abgefahrenen Essenern, den distinguierten Hannoveranern und zahlreichen anderen Domänen bekommen hatten, entstand der Anspruch, eine gemeinsame Realität zu bespielen, sozusagen die deutsche World of Darkness. Die Chronik Eins war geboren. Der Verbund wuchs rasend schnell, Domänen baten um Aufnahme, wurden geprüft, ob das Spielverständnis mit dem der Chronik vereinbar war und eventuell aufgenommen.

Bei deutschlandweit über 2000 Spielern mussten gewisse Kontrollorgane her oder zumindest Gremien, die entschieden und berieten. Der deutsche Spielleiter-Rat wurde gegründet und Clans-Koordinatoren wurden berufen. Sie hatten die Aufgabe, ein gemeinsames Verständnis des Clans, der bespielt wurde, unter den Spielern zu erzeugen. Ein erstes gemeinsames Regelwerk wurde verabschiedet (und danach noch oft überarbeitet). Die Clans-Koordinatoren schrieben die Konzepte ihrer Clans auf Basis der offiziellen Clansbücher, gemixt mit ihren eigenen Ideen, trafen sich mit den Spielern, beriefen deutschlandweite Clanstreffen ein. Wie stilvoll doch damals die Konklave der Tremere auf Schloss Broich war… süße Erinnerungen.

Maurice Vanderbourg, Toreador

Apropos Schlösser – die Treffen gewannen deutlich an Qualität: Maskenbälle auf Wasserschlössern, Vernissagen in malerischen Locations, dreckige Raves und Partys in Industriehallen. Natürlich hat das alles Geld gekostet, aber die meisten Spieler waren gewillt, den Eintritt auf den großen Events zu bezahlen. Bei der Organisation des Balles auf Wasserschloss Herten sprechen wir z.B. von einem fünfstelligen Budget in Deutschen Mark, was aber auch wieder hereingeholt wurde. Als eine der schönsten Erinnerungen habe ich noch das Ahnentreffen in Hannover, in den Herrenhäuser Gärten, mitten im Winter in einem Herrensaal eines Lokals dort, bei einem halben Meter weiß glitzernder Schneepracht, im Kopf . Es gibt noch so viel mehr tolle Erinnerungen, die vermutlich teils im Kopf noch etwas romantisiert wurden, es sind jedenfalls zu viele, um sie alle hier niederzuschreiben.

Was konnte nun noch kommen? Wir hatten einen riesigen Spielerstamm, es galt als Privileg in der Chronik Eins zu spielen, wir hatten ein Regelwerk, ein gemeinsames Verständnis der World of Darkness mit genug Spielraum für den Einzelnen. Internationale Kontakte! Ich erinnere mich an einen weiteren Ball im Wasserschloss Herten, bei dem meine Co-SL zu mir hochgeschossen kam und mich ganz panisch anblickte „Roger, du sprichst doch gutes Englisch! Komm mal mit!“ Ich ging also hinab und sah im Hof zwei Limousinen aus Belgien. Ich weiß bis heute nicht, woher die Belgier das erfahren hatten, aber wir hatten Fürstin Anna zu Brüssel, eine Toreador inklusive dem gesamten Gefolge auf dem Ball. Und so ging es weiter – Kontakte nach Paris, nach Wien, nach Danzig. Es war toll!

Aber wir hatten zu dem Zeitpunkt eine kritische Masse erreicht. An Streitpunkten am Regelwerk, aber auch zum Anschluss an die damalige internationale Chronik von White Wolf teilte sich die Chronik Eins in zwei Teile und einige wenige Domänen gingen fortan eigener Wege.

Thekenpersonal aus dem Club „Sunshine“

Der eine Teil machte weiter als die Chronik Eins, der andere als das German Board of Directors – wir hatten zwar noch Kontakte, aber teilten nicht mehr das gemeinsame Spielverständnis. Mit dem Bruch wurden einige der visionärsten Geister getrennt und andere schwangen sich auf, um die Lücken einzunehmen. Leider, so muss ich betonen, fanden zu dem Zeitpunkt mehr Intrigen offplay statt als inplay.

Es dauerte ein gutes halbes Jahr, bis sich die beiden Chroniken vollends gefangen hatten. Neue Domänen kamen dazu, andere gingen. Dennoch hat sich die Chronik Eins bis ins 21. Jahrhundert halten können. Sie wurde zwar immer kleiner, aber ein treuer Spielerstamm hielt fest am geliebten Spiel.

Einige sehr gute Domänen gesellten sich nach dem Bruch dazu, die Qualität des Spiels war jedoch nie wieder wie zu Beginn. Es war nicht schlecht, was danach stattfand – aber es war anders.

Vermutlich ist aber nicht der Bruch dafür verantwortlich, sondern das sich ändernde Bild des Vampirs in der Popkultur. Unser Bild war maßgeblich von Filmen wie Interview mit dem Vampir oder Bram Stokers Dracula geprägt, aber auch von älteren Produktionen wie z. B. Lost Boys. Dazu kamen natürlich die zahlreichen White Wolf Publikationen.

Die späteren Jahre hatten eher ein actiongetriebenes Vampirbild. Blade und ähnliche Filme sind weit vorne gewesen in dieser Prägung. Zum Glück mussten wir damals nicht Machwerke wie die Twilight-Saga ertragen. Ich glaube, dass ich die erste Spielerin, die mir ein Bella-Konzept auf den Tisch gelegt hätte, mit Fackel und Heugabel vom Hof gejagt hätte! 😉

Ich wurde damals zur Koordination des Clans Tremere berufen, schrieb mit dem Feedback der Spieler mein eigenes Clans-Konzept und grub mich durch deutsche Charakterkonzepte. Meine Vision eines einheitlich agierenden, verschworenen, von Hierarchie, Blut und Glauben durchsetzten Magier-Vampirordens teilten nicht alle Spieler. Als ich durch war, waren die Tremere von deutschlandweit 70 Spielern auf 45 runter.

Argos, Nosferatu

Was ich dann als Potential hatte, war Gold wert. Gut, es gab eine Ausnahme, ich weiß bis heute nicht, wieso ich die Spielerin mit ihrer Darstellung so lang gewähren ließ, aber sei’s drum. Fehler passieren. Spieler wie der Darsteller von Hieronymus Magnus zu Rietberg oder Mardita zu Werninger-Rhode waren Perlen des Clans, jeweils auf ihre eigene Art.

Es sind einfach sehr schöne Erinnerungen, die ich gerade in mir aufwühle. Natürlich gab es auch genug Gewitterwolken, die die Stimmung trübten, aber diese verschwinden und verblassen.

Nach 11 Jahren war ich letztlich des Spiels überdrüssig. Alles verliert irgendwann seinen Reiz. Ich habe meine Clansaufgaben übergeben, wie auch meine Aufgaben als Spielleiter und mich aus der Chronik Eins verabschiedet. Zu einigen wenigenSpielern habe ich heute auch noch Kontakt. Es war eine schöne Zeit, aber ich muss es nicht nochmal haben. Das heutige Bild des Vampirismus der Popkultur ist nicht mehr meines.

Was habe ich für mich daraus mitgenommen, mit einigen Jahren Distanz betrachtet?

Zum einen ist zu tiefe Immersion auf Dauer nicht gut. Nicht wenige Spieler/–innen haben die Grenzen zwischen sich und ihrer Rolle verloren und mussten „zurückgeholt“ werden.

Anderen hat es gut getan. Schüchterne Menschen wurden zu großen Darstellern und anerkannten Spielleitern, ohne die die Chronik nicht das geworden wäre, was sie war. Andere lernten, in großen Teams zu agieren, wiederum andere konnten ihren Wortschatz und ihre Allgemeinbildung mehren. Naturtalente der Darstellung und des Schauspiels konnten sich ihre Hörner abstoßen.

Hörner abstoßen ist auch ein gutes Stichwort. Ich denke, nein, ich weiß, dass Rotwein und viel Haut bei den Damen (von denen es wahrlich viele gab im Spiel!) für mehr als eine prickelnde Situation gesorgt haben und ich möchte nicht zählen, wer bei wem im Bett landete nach einer Nacht voller Tanz, Wein, Politik und Erotik. Auch das hat der oder dem einen oder anderen sicher gut getan….

Manche musste auch schmerzhaft lernen, dass sie nicht das darstellen konnten, was sie gern gewollt hätten, da die Nähe zu sich selbst als Mensch doch eine deutlich höhere ist als im Fall des Tischrollenspiels. Sei es durch eigene Fähigkeiten oder durch Aussehen und Charisma. „Panzerelfen“ aus dem Fantasy LARP gab es auch als „Panzertoreador“ im Vampire Live. Manches ging eben einfach nicht.

Für Einige war es ein Testgelände für koordinierende Aufgaben im späteren Job, für andere einfach nur Entspannung ohne Anspruch.

Und, mit einem selbstkritischen Grinsen, habe ich erkannt, wie sehr ich es mag, im Rampenlicht zu stehen – aber auch Verantwortung zu übernehmen und Teams anzuleiten. Und dass ich total auf Titel stehe 😉

Und zu guter Letzt habe ich meine heutige Ehefrau beim Vampire Live kennengelernt. Das ist sicher das Beste, was mir in den Jahren geschah.

Ach ja, die Titel:

Koordination Haus und Clan Tremere
SL Vestische Domäne/Großfürstentum Vest

Klingt super, nicht? Besser waren aber die ingame Titel meines Hauptcharakters:

Richard Anastasius, Baron Droste zu Weizenau-Vischering
Regens maior tertii circuli mysteriorum der Vereinigten Nordlande
Bewahrer des Freilehens Lüdinghausen
Ahnsherr des Haus und Clan Tremere
Ahnsherr des ungebundenen Hauses Goratrix

Nun reicht‘s aber – Roger over and out.

Was sind Eure Erinnerungen an Vampire Live? Habt ihr es je gespielt? Anbei noch einige weitere Erinnerungen, die ich auf meiner Festplatte fand.

 


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20 Kommentare

  • Hallo,

    netter Artikel,

    meine Live-Zeit begann erst 1998 hier in Lübeck, als Nils-Christian Görtz aus Teutoburg hier studierte und die Chrinik Lübeck gründete. Das war, als sich das GBOD von euch abspaltete oder schon hatte.

    Später zog er hier weg, und es übernahm zunächst ein anderer, dann auch ich die Domäne Lübeck.

    Viele der von dir beobachteten Dinge kann ich bestätigen, sowohl die positiven wie die negativen Erlebnisse.

    Nach mehreren Trenungen der Chronik und immer weniger Spielern in Lübeck haben wir die Chronik im Frühjahr 2005 aufgelöst.

    Gruß

    Xemides
    ehemals Stefan Marder
    ehemals Konrad Hagenstein

  • Ah, der gute NCG 😉 Ich frage mich, ob es noch jemanden gibt, der so viele Domänen begründet hat

  • Jaja, das Vampire Live.

    Die Chronik Eins hat auch bei mir für sehr viele unvergessene Erfahrungen gesorgt, Dinge an die man sich gerne erinnert, aber auch Begebenheiten, die nicht so toll waren.
    Am Ende waren es dann auch die vielen OT-Intrigen und Egomanen, die das Spiel für mich zerstört haben.
    Oder vielleicht war es auch einfach nicht möglich, nach Jahren als SL wieder Spieler zu sein…

    Missen möchte ich die Jahre auf keinen Fall, aber noch einmal würde ich es auch nicht machen.

    Holger
    SL Assindia
    Gründungsmitglied des Regelgremiums
    Mitglied des Schlichtungsrates der SL

    Alexander Hayden – Regent der Chantry Assindia

    Darian Grey – Primus Vitae des Clans des Mondes zu Assindia

    Und ein paar Leute ohne Titel 😉

  • Wir hatten einen SL Schlichtungsrat? Oh mann waren wir kaputt 😉

  • Das hört sich nach einer tollen Zeit an 🙂 Ich habe selber nie VL gespielt sondern war immer mehr im Fantasy-Bereich. Aber auch da gab es oftmals Zankereien, und dass sich die Beteiligten nicht gegenseitig an die Gurgel gegangen sind, ist echt ein Wunder. Aber sowas gibts wohl überall, wo viele Menschen mit verschiedenen Interessen aufeinandertreffen.

  • die intensivste erinnerung ist bei mir das clochar in hagen. gerade das ‚fucked up‘ spiel in hagen hat mich (neben markus born) doch ziemlich geprägt … nicht zuletzt hatte auch ich dort eine begegnung die mein leben veränderte … *hust*

    viele erinnerungen teilen wir beide ja auch, gerade weil wir zum einen einen ähnlichen style spielen zum anderen sind wir oft aneinander gerade im spiel und später war ja auch ich viele jahre sl.

    wann ich genau angefangen habe, kann ich nicht mehr nachvollziehen, aber es war um ’95/’96 wenn ich mich recht entsinne. aber das kann der butze genauer sagen. der schleppte mich an seinem zweiten spielabend mit (mit der aussicht auf eine lustige nacht und dem versprechen von wein und weib) … warum wir als bochumer nach hagen fuhren, kann ich mich gerade nicht so genau erinnern. ich meine aber das es mit dem anderen geschlecht zu tun hatte … so aber fuhren wir lange zeit jeden donnerstag abend nach hagen (oder in die zeche, aber das ist ne andere geschichte) um dann nach einiger zeit am freitag $irgendwo in essen zu spielen (oder duisburg oder bochum) und dann am samstag womöglich im vest, dortmund, hannover oder gerne auch mal münster oder erkelenz ….

    ich glaube das problem war einfach irgendwann bei vielen das der abstand fehlte. das vl hat zuviel raum und zeit eingenommen. dinge aus dem spiel sind ins rl mitgetragen worden. letztlich machte das spielen auch nur mit den leuten spaß bei denen klar war, wir können nachher bei einem bier ot drüber lachen und uns freuen über das spiel (deswegen hat es in münster glaube ich auch lange so gut funktioniert! es ist einfach mehr getrunken worden ^^)

    eine der heftigsten erinnerungen habe ich an einen event der eigentlich nur von den personen mit der c1 zu tun hat … das infernal desire … es war und ist für mich der inbegriff einer vampirischen party (ok das mit dem sex auf der tanzfläche war schon heftig aber hey irgendwie passte es) …

    ansonsten kann ich auch sagen, es war eine super zeit. es hat auch mir persönlich in meiner entwicklung geholfen, gerade im beruflichen. aber das ganze soll bitte auch da bleiben wo es ist. in der erinnerung und der vergangenheit.

    meine vorstellung vom spiel und von vampirismus im speziellen ist eine andere als der mainstream. für mich kann es auch ein toller abend gewesen sein, wenn mein charakter durch die scheisse gezogen wurde und am ende getötet wird. das charakterspielen und der horror stehen im vordergrund und nicht das ego-pushen was das vl gerade am ende geworden ist.

    ich bin sehr froh um die menschen die durch dieses hobby noch in meinem leben geblieben sind und mit denen man noch andere gemeinsamkeiten gefunden hat. ansonsten stand ich zu der zeit schon nicht auf titel und hab über roger nur den kopf geschüttelt ^^ minimalismus war meins.

    /jd

  • eine sache noch die mich faszinierte, alle charaktere aus der zeit die nur für einen oder zwei abende auslegt waren hatte vielleicht gerade deswegen eine sehr hohe haltwertzeit … das anarcho-brujah paar ’sickboy & pearl‘ nur als ein beispiel … also bei mir. vielleicht gerade auch weil ich mit dem bewußtsein ins spiel gegangen bin das sie jeden abend drauf gehen können.

  • Spielen am Limit, ja, das haben viele von uns gemacht, auf die eine oder andere Art. Auf dem Desire war ich leider nie dabei, ich hörte nur die Erzählungen nachher. Auch wenn es kein C1 Event war, ließ man da wohl alle Scheu fallen. Vermutlich gerade deswegen 😉

    Danke für die anderen schönen Erinnerungen, von denen Du schreibst, Jan.

    @Ella (fast hätte ich Bella geschrieben…): Ich glaube, dass immer dann Leute zusammenprallen, wenn starke Egos um Aufmerksamkeit heischen. Ab einer gewissen Anzahl von Spielern passiert das zwangsläufig. Ja, VtM Live war eine tolle Zeit, aber ich nehme an, ich romantisiere gerade ganz fürchterlich in der Retrospektive. Nichtsdestotrotz – es war toll!

    Der Kerl oben im Bild im Mantel mit den Fingern zum Dreieck der Macht gefaltet, vor dem sich die beiden anderen demütig verbeugen, war mein Hauptcharakter – der Tremere-Ahn

  • Ja, niemand hatte mehr Spitznamen als Weizenau.^^

    Erschreckend, selbst ich hab mich auf einem Foto wiedererkannt.^^

  • *räusper*
    mmmmmMMMMUUUUUUUUUHHHHHhhhhhhhh!

    *wegrenngrins*

  • Den Scherz versteht hier kaum einer, Sebastian.

    Aber damit die anderen auch schmunzeln dürfen, erkläre ich Ihn. Richard, mein Tremere Ahn, erklärte seinem Kind die Ambivalenz der vampirischen Sexualität und erwähnte dabei, dass es nicht zähle, ob Blut von einem Mann, einer Frau oder in Zeiten der Not von einer Kuh getrunken wird. Die Lust und Ekstase sei annähernd die gleiche.

    Da wir uns natürlich auch offplay ganz gerne übers Spiel unterhalten haben, machte diese Erklärung die Runde und bei einigen wurde der eigentlich nie sonderlich witzige präpubertäre Scherz „Lord zu Weizenau-Vischering poppt Kühe“ draus.

    Den einen hat’s amüsiert, der anderen hat eher dern Kopf geschüttelt über derartigen Übermut.

  • Da ich erst sehr spät mit Vampire Live angefangen habe (nach diversen Domänen- und Chronikspaltungen), habe ich diese Zeit wohl nicht miterlebt, aber ein gute Freund hat mal gesagt, dass die Anfangszeit gerade deshalb so interessant gewesen sei, weil ihr drei Spielleiter der Domäne so unterschiedliche Charaktere ward und jeder eine andere Meinung von Plots hatte. Das hat dann wohl immer zu interessanten Plots geführt.

    Meine Erfahrungen waren dann geteilt, es hat zwar sehr viel Spaß gemacht, aber aus den Gründen, die meine Vorkommentatoren schon genannt haben, ist einem der Spaß oft verdorben worden, vor allem als ich einen Charakter wegen der unterschiedlichen Auffassungen von Clanskoordinatoren und Spielleitern verloren habe.

    Was ich auch etwas befremdlich fand, dass es Leute gab, mit denen ich schon diverse Male gespielt habe, aber nicht einmal ihre realen Namen kannte. Das kann einem beim Pen & Paper nicht passieren 😉

  • Tag,
    ich gehöre zwar leider auch zu denen die erst direkt nach der oben genannten Zeit mit dem VL angefangen haben, dennoch fand ich es meist eine schöne Zeit.
    Obwohl der Zickenkrieg besonders unter den SL manchmal schon nerven kostete auch als Spieler.

    Roger der Schlichtungsrat kam erst kurz nachdem du aufgehört hast soweit ich mich erinnere.

    Ansonsten bin ich irgendwie froh mich auf den Bilder nicht entdeckt zu haben 😉

    *schon schleicht sie wieder in die Schatten der Versenkung zurück*

  • Roger:
    Und zu guter Letzt habe ich meine heu­tige Ehe­frau beim Vam­pire Live ken­nen­ge­lernt. Das ist sicher das Beste, was mir in den Jah­ren geschah.

    Ich auch ;D

  • Schön geschrieben, Roger – und schön wars, mit Euch, mit den anderen.

    Bilder kann ich Dir bei Bedarf jede Menge schicken: Von den großen Lex-Events, der Konklave in Südfrankreich, den Besuchen in Wien… Meld Dich einfach auf privatem Weg, weisst ja, wie :).

    LG
    Wolfram

  • Apropos „Anna zu Brüssel“ … mir fiel es grade wie Schuppen aus den Haaren … aus irgendeinem Grund waren wir mal in Brüssel. Ich kann mich nur noch an Sascha und mich erinnern – da waren aber bestimmt noch mehr mit. Chicci wahrscheinlich … und das muss der Ball gewesen sein, auf dem ich mit Chicci den „Metalldetektor“ samt Nebelmaschine gebaut habe.

    Roger – erinnerst Du Dich an die Unterhaltung im 205er? In buntem Hemd und Strohhut … „LIVE? Bist Du wahnsinnig? Obwohl … Gangrel … 7te Gen … ja warum nich?“ 🙂

    Hätten wir doch nur nie auf den Wattebäuschchenwerfer aus Herne gehört damals … viel Frust wäre uns erspart geblieben.

    Gute alte Zeit. Schöne Erinnerungen. Solstice … hach …

  • Solstice war großartig! Auch die Bälle waren toll. Naja, der Wattebäuschchenwerfer hat viel als Mensch gelernt, was er vorher nie hatte. Ich mag über diese Person und ihren schädlichen Einfluss auf das VtM Live nicht schreiben.

    Waren tolle Zeiten 😉 Und ja, ich erinnere mich lebhaft an die Unterhaltung.

  • ….seufts….
    Meine Güte hatte ich damals viel Zeit!

    Jo- Spaß hats gemacht – meistens.

    Außerdem hat es mir eine unvergleichliche Bühne geboten für meine Musik. Das vermisse ich ein bisschen.

    Ich grüße alle mit denen ich gespielt habe und die ich leider nur ‚in time‘ kennen gelernt habe!

    Alias Jenni Korn (Tochter der Kakophonie)

  • […] Die große Zeit des Vam­pire Live — 1992 bis 1999 […]

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