Vorstellung: WuwulTschuk — eine LARP Truppe aus der Steinzeit

Mai 19

Vorstellung: WuwulTschuk — eine LARP Truppe aus der Steinzeit

Zwei junge Män­ner, braun­ge­brannt und drah­tig, nur mit Len­den­schurz und eini­gen Ket­ten, Federn und Sta­chel­schwein­sta­cheln als Pier­cings beklei­det. Beide sind schlamm­ver­krus­tet und mit dunk­ler Farbe bemalt. Der eine steigt auf die Schul­tern des ande­ren und ein paar andere Män­ner rei­chen ihnen Stoff­bah­nen an, die mit lan­gen Stan­gen zu Flü­geln und einer Art Schwanz geformt wur­den. Die Stoffe wer­den aus­ge­brei­tet und der obere der bei­den beginnt die Flü­gel zu schla­gen. Mit lau­tem, vogel­ar­ti­gem Gekreisch stürmt das selt­same Fak­si­mile vor und treibt die gefürch­te­ten Die­ne­rin­nen der Leere, die Viin-Shar zurück.

Etwas das diese Wesen zuvor noch nie spür­ten ergreift von ihnen Besitz, etwas erfüllt ihre sonst lee­ren Her­zen. Etwas das sie sonst auf den Schlacht­fel­dern ver­brei­ten. Wo sie nur auf­tau­chen herrscht Chaos. Ihr Schrei lässt hart­ge­sot­tene Krie­ger wie Kin­der fliehen.

Doch plötz­lich emp­fin­den sie Angst!

Nachts don­nern die Trom­meln aus der gro­ßen Jurte, inmit­ten des Lagers. Umge­ben von einem Netz aus kunst­voll ver­kno­te­ten Schnü­ren, die mit aller­lei Ästen, Federn, Leder­stü­cken, Stei­nen, Ton­scher­ben und ande­rem Zeugs ver­schö­nert wur­den, sit­zen die Wuwus auf Schaf­fel­len und ähn­li­chem und lachen, sin­gen und trin­ken. Sie fei­ern den Sieg. Selbst­ge­brau­tes geht herum und ein jeder der mit ihnen fei­ern will ist herz­lich will­kom­men. In ihrer eige­nen, gut­tu­ra­len Spra­che laden sie ihn ein sich ans Feuer in der Mitte des hohen Zel­tes zu set­zen. Sie scher­zen und bie­ten das herbe Getränk an, sind jedoch nicht wirk­lich belei­digt, sollte man ableh­nen. So bleibt mehr für sie.

Mutige Krie­ger sind die WuwulT­schuk, und mutig stel­len sie sich dem Feind. Auch wenn sie die selt­sa­men Bräu­che der ande­ren Sied­ler nicht ver­ste­hen und sie nicht so recht wis­sen, warum so man­cher über sie lacht, wo doch diese komi­schen Kerle in Metall-Hüllen so lach­haft wir­ken, so kämp­fen sie doch dafür das ihre Lebens­weise erhal­ten bleibt.

Die Wuwus sind etwas beson­de­res in der LARP Szene. Zwar gibt es einige Grup­pen, die so etwas wie einen eige­nen Stamm dar­stel­len wol­len. Doch ist mir noch keine begeg­net die „ihr Ding“ so kon­se­quent durch­zieht und sich dabei so „authen­tisch“ ver­hält, wie diese Gruppe von jun­gen Män­nern und Frauen. Sie schlüp­fen für die Dauer der Cons, an denen sie teil­neh­men nicht nur in eine andere Rolle, sie „leben“ tat­säch­lich ein ande­res Leben.

Fast ohne jeden moder­nen Kom­fort, aber den­noch nicht ohne. Mit eige­ner Spra­che, die immer wie­der für Ver­wir­rung bei den Mit­spie­lern sorgt und mit einem Spiel­stil und einer Kon­se­quenz, bei denen sich so man­cher noch eine große Scheibe abschnei­den kann. Dabei sind sie aber nie dar­auf ver­ses­sen andere dazu zu zwin­gen eben­falls InTime, oder InCha­rak­ter zu blei­ben. Ihre bloße Anwe­sen­heit sorgt schon dafür, das man sich am Rie­men reißt und die Ver­wun­de­rung und Ver­wir­rung ob ihrer Bräu­che und ihrem Gehabe ist bei rea­ler Per­son und Cha­rak­ter garan­tiert gleich. Das muss nie­mand „spielen“.

Ich für mei­nen Teil finde diese Gruppe abso­lut groß­ar­tig und bewun­dere ihre Art zu spie­len sehr. Des­halb habe ich mich ent­schie­den, sie der brei­ten Masse etwas näher zu brin­gen und ein kur­zes Inter­view mit ihnen zu füh­ren, das nun auch vorliegt.

Wer mehr über sie erfah­ren will, kann das auf ihrer Web­site tun: http://wuwu.de.to/

Das Inter­view 

Teil­zeit­hel­den: Wie seid ihr auf die­ses unge­wöhn­li­che Kon­zept gekom­men / was inspi­riert Euch?

WuwulT­schuk: Inspi­riert wer­den wir von aller­hand Ur– und Natur­volk, aber auch von dem, was uns spon­tan über den Weg läuft und in den Kopf schießt. Ent­stan­den sind die Wuwus vor eini­gen Jah­ren in Bad Sege­berg. Zwei von uns waren da (Abbe und Napam) und der Rest hatte Lust auf ihren zum Teil 1. SC Cha­rak­ter… Außer­dem hat­ten wir kein Zelt und woll­ten uns der Schmach der OT-Zelter nicht hin­ge­ben. Also haben wir unter ‚ner not­dürf­tig abge­deck­ten Plane im freien geschla­fen und gefal­len dran gefun­den. Der Rest war dann Wahn­sinn gepaart mit Gruppendynamik.

Teil­zeit­hel­den: Wie lange spielt ihr schon so?

WuwulT­schuk: Schwer zu sagen, da sich das gesamte Kon­zept über Jahre hin­weg wei­ter­ent­wi­ckelt hat und auch immer noch tut. z.B. gab es zu den Anfän­gen der Wuwult­schuk noch keine eigene Spra­che. Irgend­wann wur­den dann erste Wör­ter ein­ge­fügt und inzwi­schen kön­nen wir uns kom­plett auf Wuwutata ver­stän­di­gen, erfin­den aber stets neue Worte. Und so hat alles bei den Wuwult­schuk irgend­wann mal begon­nen und sei­nen Lauf genom­men: Zelt, Kla­motte, Aus­stat­tung, Geschichte, Welt­bild, etc. Ange­fan­gen (hat es) vor etwa 6 Jahren.

Teil­zeit­hel­den: Wie lange spielt ihr schon LARP?

WuwulT­schuk: Keine Ahnung, ist bei jedem Wuwu unterschiedlich.

Teil­zeit­hel­den: Wie ist es so zu spielen?

WuwulT­schuk: Voll scheiße! Ist Super anstrengend.

(Anmer­kung der Redak­tion: Wir gehen mal davon aus, das diese Aus­sage iro­nisch gemeint ist, denn sonst wür­den sie es ja nicht so gern und mit Erfolg tun. ;) )

Teil­zeit­hel­den: Wie ist Eure Spra­che entstanden?

WuwulT­schuk: Das hab ich ja vor­her schon kurz erklärt. Erst gab es keine eigene Spra­che, dann waren erste Wör­ter da, nach und nach kamen mehr Wör­ter (und der Ehr­geiz wuchs, sich kom­plett auf Wuwutata unter­hal­ten zu kön­nen) bis, nach der drit­ten Sprach­re­form, irgend­wann eine kom­plette Spra­che mit Gram­ma­tik und allem Drum und Dran da war, auf der wir uns unter­hal­ten. Aber es kom­men immer wie­der neue Wör­ter hinzu. Da uns jedes mal irgend­et­was auf­fällt, was wir blöd umschrei­ben müs­sen oder gar nicht sagen kön­nen. Außer­dem wird auch ste­tig am Klang gear­bei­tet. Seit kur­zem ver­fü­gen wir auch über eine eigene Schrift.

Teil­zeit­hel­den: Es ist ja sicher hart, das benut­zen einer „Fremd­spra­che“ über eine gewisse Zeit durch zu hal­ten, wie macht ihr das?

WuwulT­schuk: Nö, ist es nicht. *Smile* Es ist eher schwer nach einer Con es nicht mehr zu tun. Vor allem in bestimm­ten Situa­tio­nen. Das ist dann irgend­wie so in Fleisch und Blut übergegangen.

Teil­zeit­hel­den: Wie lernt ihr diese Sprache?

WuwulT­schuk: Es gibt ein OT-Wörterbuch zur Unter­stüt­zung, das ein Wuwu ange­fer­tigt hat. Das ist für Neu­ein­stei­ger zum gro­ben üben klasse. Aber wirk­lich ler­nen tut man die Spra­che damit nicht. Das pas­siert dann auf Con durch das regel­mä­ßige spre­chen und zuhö­ren von ganz alleine. Auf Con zeigt sich dann auch, wel­che neuen Wör­ter sich eta­bliert haben und wel­che nicht.

Teil­zeit­hel­den: Eure „Klei­dung“. Ist es nicht unbe­quem, in solch „pri­mi­ti­ven“ Outfits?

WuwulT­schuk: Pri­mi­tiv? Willst du uns belei­di­gen? Es gibt nichts beque­me­res, als hand­ge­fer­tigte, maß­ge­schnei­derte Len­den­schürze! Also… nein, da wir in unse­rem Per­fek­ti­ons­wahn Ein­zel­stü­cke über Jahre wei­ter­ent­wi­ckeln. Auf Con merkst du, wel­che Klei­dungs– und Schmuck­stü­cke noch ver­bes­se­rungs­wür­dig sind und zu Hause wird’s dann bear­bei­tet. So ent­wi­ckelt sich deine Gewan­dung Stück für Stück, bis sie bequem und hübsch ist. Aber kom­plett fer­tig sind sie nie, da irgend­wann irgend­was kaputt geht, du neue Ideen bekommst, etc.

Teil­zeit­hel­den: Wie ist es so sehr auf Klei­dung und ande­ren Kom­fort zu verzichten?

WuwulT­schuk: Total toll! Wir leben ja auch auf Con recht kom­for­ta­bel mit unse­ren Fel­len, dem rie­si­gen Zelt und ‚nem war­men Feuer. Es macht Spaß, die gewohn­ten All­tags­zwänge durch Sor­gen wie: „Wir brau­chen Was­ser, Essen und Holz“ zu erset­zen. Es regt Kör­per und Geist zum krea­tiv sein an. Mal ehr­lich, man muss sich nur drauf ein­las­sen und dann ist es total entspannt.

Teil­zeit­hel­den: Woher habt ihr die Ideen, für die tolle Deko­ra­tion an und in eurem Zelt?

WuwulT­schuk: Wir las­sen uns von vie­len Völ­kern inspi­rie­ren. So gut wie jedes Sym­bol hat eine Bedeu­tung, man­ches ist aber auch nur Deko. Aber das Meiste ent­steht wohl ein­fach aus dem Moment her­aus. die Ideen kom­men dann von ganz alleine, wenn man dar­über nach­denkt, was man mit dem vor­han­de­nen bas­teln kann. Ein­fach machen.

Teil­zeit­hel­den: Plant ihr euren Stamm in Zukunft noch zu vergrößern?

WuwulT­schuk: Wir suchen nicht gezielt nach neuen Wuwus, aber wenn sich jemand bei uns mel­det und mit­ma­chen will, tref­fen wir uns vor­her mit ihr oder ihm, neh­men sie/ihn auf ne Con mit und wenn diese Art von LARP nichts für die Per­son ist, wird sie es hof­fent­lich von selbst mer­ken. Wenn er/sie so gar nicht zu uns passt (schließ­lich muss auch das Zwi­schen­mensch­li­che stim­men), sagen wir es der Per­son auch offen und ehr­lich. Bis­lang war das aber noch nicht der Fall. *Smile*

Teil­zeit­hel­den: Einige von euch stu­die­ren, soviel ich weiß, Anthro­po­lo­gie, ist das kor­rekt?  Wenn ja, was war zuerst da? Das LARP, oder das Studium?

WuwulT­schuk: Ja! Und ich habe gehört die ande­ren sind Sprach und Sport Stu­den­ten. Achja, einige Mit­glie­der kom­men aus Frankreich.

Teil­zeit­hel­den: In wie weit hat das Stu­dium das LARP beein­flusst und umgekehrt?

WuwulT­schuk: „Da es nicht güns­tig war, dass alle Leute ver­rückt gewor­den sind, wurde die Traum­for­schung an die­ser Stelle eingestellt.“

Teil­zeit­hel­den: Gibt es irgendwo ein wirk­lich gutes Video von Euch, das man auf der Site publi­zie­ren kann?

WuwulT­schuk: Bis­lang hab ich noch kei­nes gefun­den. Aber Fotos gibt’s zur Not.

Teil­zeit­hel­den: Habt ihr etwas, das ihr allen LAR­Pern und –Inter­es­sier­ten sagen wollt?

WuwulT­schuk: Zu der letz­ten Frage fällt mir auch nur Gepö­bel oder Pseudo wei­ses Gela­ber ein. Eine Wuwu Lebens­weis­heit auf Wuwutata wäre gut. Wie:

„Womp wuwul womp Bogo.“ 

(Anmer­kung der Red.: Lei­der beka­men wir keine Übersetzung.)

Wir bedan­ken uns bei den WuWulT­schuk für das Inter­view und wün­schen eine erfolg­rei­che Con-Saison 2012!

Bil­der­ga­le­rie 

 

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4 Kommentare

  1. Defi­ni­tiv zumin­dest das bis­lang „sexieste“ Larp ;)

  2. Holger /

    Eine groß­ar­tige Gruppe, die ich auch die­ses Jahr auf dem Jen­seits der Sie­gel wie­der bewun­dern durfte. Beson­ders die Aus­dauer beim Trom­meln Sams­tag Nacht war beein­dru­ckend… auch wenn sie mir ein wenig den Schlaf geraubt hat ;)

    Übri­gens ist die Spra­che, wenn man sie gespro­chen hört, recht gut zu ver­ste­hen, und das alleine ist schon eine große Leis­tung :)

  3. Laytja /

    2012 im Luft­la­ger auf dem CoM hatte ich mehr­mals das Ver­gnü­gen mit den Wuwus zu interagieren.

    Echt super tol­les Spiel mit Euch!

    Freue mich auf nächs­tes mal.

  4. Megan MacFaol /

    Hallo,
    Ich muss auch mal wie­der ein Kom­pli­ment an die Wuwus geben und bedauere sie letz­ter Zeit nicht mehr gese­hen zu haben… Wäre schön wenn wir euch wie­der auf dem DF sehen könn­ten… Eure Wassermelonen-Heilung ist Genial
    Genauso wie das „Leben“ im Dorf der Stämme mit euch..

    Gruß
    Megan Mac­Faol (ehem. MacMahoon)

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