Dieser Artikel stammt von einem freien oder externen Redakteur. Informationen zum Erzeuger erhaltet ihr weiter unten.

 

Pen&Paper - Rezensionen
Februar 27, 2016 Geschrieben von Gastautor

Rezension: Dread Names, Red List (V20) – Vae mortis!

Rezension: Dread Names, Red List (V20) – Vae mortis!

Mit Dread Names, Red List hat Onyx Path Publishing rund drei Jahre nach Abschluss des Children of the Revolution-Kickstarters den V20-Nachfolgeband zu The Kindred’s Most Wanted veröffentlicht.

Inhalt

Wie bei der World of Darkness üblich, beginnt auch Dread Names, Red List mit einem In-Game-Text, hier in Form eines Briefes der Setitin Kemintiri an Valerius Maior, einen Tremere antitribu, dessen Name erst kürzlich auf die Rote Liste gesetzt wurde. Dieser zweiseitige Brief, in dem die sogenannte dunkle Königin der Roten Liste den „Neuling“ über einige grundlegende Aspekte der Roten Liste ins Bild setzt, bietet eine hervorragende knappe Einführung in die Thematik des Bandes.

Das folgende Kapitel „Introduction“ beschreibt in Kürze die Stimmung des Bandes, welche sich auf die drei Begriffe Jäger, Beute und Paranoia destillieren lässt. Dazu gibt es einen knappen Überblick über die einzelnen Kapitel sowie einige Hinweise auf weiterführendes Material, seien es Romane, Fernsehserien oder andere Vampire: The Masquerade-Publikationen.

Das erste umfangreichere Kapitel von Dread Names, Red List ist „History and Tradition“ überschrieben und ordnet die Rote Liste in den Gesamtkontext der sechs Traditionen der Camarilla ein. Dabei wird insbesondere auf den Unterschied zwischen Blutjagd und Roter Liste eingegangen. Während die Blutjagd durch einen Prinzen ausgerufen wird und von jedem Vampir innerhalb der Domäne des Prinzen die Teilnahme an der Blutjagd erwartet wird, wird ein Anathema, also die Aufnahme einer Peron in die Rote Liste, durch eine Konklave auf Einladung mindestens zweier Justikare beschlossen. Auch ist bei einem Anathema nicht jeder Vampir der Camarilla zur Teilnahme an der Jagd verpflichtet, es müssen lediglich Sichtungen von Personen, die auf der Roten Liste stehen, gemeldet werden.

Kyoko Shinsegawa

Kyoko Shinsegawa

In dem Kapitel gibt es auch eine ausführliche Schilderung der Geschichte der Roten Liste, deren bloße Existenz lange Jahre nur den Mitgliedern des Inneren Zirkels und deren vertrauenswürdigen Handlangern bekannt war. Die Ursprünge der Roten Liste verschwinden im Nebel der Geschichte. Als gesichert kann heute nur gelten, dass die erste Rote Liste in Europa in der Endphase der ersten Anarchenrevolte aufgestellt wurde. Offiziell bekannt – wenn auch nur dem kleinen Kreis aus Justikaren – wurde die Existenz der Roten Liste im Jahr 1504. Die Darstellung der Geschichte der Roten Liste reicht bis in die Neuzeit und beinhaltet auch eine Liste der auf der Konklave im Jahr 2011 benannten Justikare der Camarilla.

Es wird auch im Detail auf das Verfahren eingegangen, mit dem heute – bei Freiwerden eines der dreizehn Plätze auf der Roten Liste – neue Anathema nominiert werden. Freie Plätze auf der Roten Liste gibt es übrigens immer nur dann, wenn einer der Anathema den endgültigen Tod erleidet. Nicht einmal der Innere Zirkel kann einen Anathema wieder von der Roten Liste streichen. Aber auch hier gilt: Keine Regel ohne Ausnahme, wie der Fall des Gangrel Enkidu zeigt. Obwohl sein endgültiger Tod nie bestätigt werden konnte und die an der Jagd beteiligten Alastoren jede Belohnung abgelehnt haben, wurde Enkidu von der Liste gestrichen.

Bei den Verhandlungen darüber, wer von den einzelnen Justikaren vorgeschlagenen Personen zuerst auf die Rote Liste gesetzt wird, werden häufig von einzelnen Clans Trophäen für den- oder diejenigen ausgelobt, den entsprechenden Anathema zur Strecke bringen. Die Arten der ausgelobten Trophäen können sehr unterschiedlich sein, in der Vergangenheit wurden z.B. die Gewährung einer eigenen Domäne, die Immunität vor Blutjagden, die Freundschaft eines Clans oder einfach finanzielle Mittel ausgelobt. In seltenen Fällen gewähren die Justikare selbst geheime Belohnungen, z.B. in Form von erlaubter Diablerie, der Auflösung eines Blutbandes oder der Ernennung zum Alastor.

Bei den Alastoren, die ebenfalls in diesem Kapitel vorgestellt werden, handelt es sich um geheime Diener der Justikare, die neben der Übernahme von Tätigkeiten für die Justikare und den Inneren Zirkel vor allem mit der Jagd auf die  Anathema der Roten Liste beschäftigt sind. Die Identitäten der Alastoren sind ebenso wie die Kriterien ihrer Auswahl und Details zu ihrer intensiven Ausbildung geheim. Ein Alastor wird die Tatsache, dass er ein solcher ist, nur einem Justikar, einem Archonten und vielleicht einem Prinzen in dessen Domäne offenlegen. Aus den Alastoren wählen die Justikare einige aus und ernennen diese zu Roten Alastoren. Diese Roten Alastoren überwachen und koordinieren die Arbeit der Alastoren und machen selbst Jagd auf gefallene Alastoren.

Kemintiri

Kemintiri

Das nächste Kapitel beinhaltet den eigentlichen Kern von Dread Names, Red List: Die Vorstellung der aktuellen dreizehn Anathema. Darunter finden sich einige alte Bekannte wie z.B. die Nosferatu Rabbat, der Tremere antitribu Valerius Maior, die selbsternannte Gangrel-Blutgöttin Karen Anatos, der Ventrue antitribu Dylan Bruce, die Malkavianer antitribu Petaniqua und die Setitin Kemintiri. Der Magus Christopher Barrow zeigt, dass man kein Kainskind sein muss, um einen Platz auf der Roten Liste zu erhalten.

Alle dreizehn Anathema werden jeweils auf drei bis vier Seiten ausführlich vorgestellt. Neben der persönlichen Geschichte vor und nach dem Kuss erfährt man auch, aus welchen Gründen und auf wessen Initiative hin die jeweilige Person einen Platz auf der Roten Liste erhalten hat. Zu jedem Anathema liegen Spielwerte sowie Hinweise zur rollenspielerischen Umsetzung durch den Storyteller vor. Dieses Kapitel strotzt nur so vor Anknüpfungspunkten für die Einbindung in eigene Chroniken, wobei klar sein sollte, dass Anathema kein günstiger Gegner für Neugeborene sind.

Ist der Leser von Dread Names, Red List am Ende der Vorstellung der dreizehn Anathema angelangt, hat er gut zwei Drittel des Bandes hinter sich. Das nächste Kapitel widmet sich nun in aller Ausführlichkeit den wesentlichen Gegnern der Anathema: den Alastoren. In „Role of the Alastor“ taucht der Leser tief in das geheime Wissen der  Justikare ein. Die vorgestellten Details zu den Alastoren sind dem gemeinen Kainskind nicht bekannt bzw. geistern als Gerüchte durch die Nacht.

Der Leser erfährt beispielsweise, dass die Justikare mit Vorliebe Venrue, Nosferatu und Gangrel als Alastoren auswählen und dass mehr als die Hälfte der derzeitigen Alastoren Ventrue und Nosferatu sind. Auch sind die meisten Alastoren Kainskinder einer niedrigen Generation, da nur diese mächtig genug sind, eine Konfrontation mit einem Anathema überleben zu können. Das Aufgabenfeld der Alastoren sowie die für sie geltenden Regeln werden beschrieben. So ist für die Alastoren die übliche Clanpolitik zweitrangig, der Fokus liegt klar auf der Jagd nach den Anathema. Für die Alastoren gilt eine strenge Befehlskette von den Roten Alastoren über die Justikare zu den Mitgliedern des Inneren Zirkels, was durchaus zu Konflikten mit Prinzen, Erstgeborenen oder Sheriffs führen kann. Neben allgemeinen Ausführungen zu Handlungsweisen und Taktiken, liegt ein weiterer Schwerpunkt des Kapitels in der Darstellung der Nutzung bestimmter Disziplinen durch die Alastoren. Insbesondere Auspex, Beherrschung, Gestaltwandel, Thaumaturgie, Tierhaftigkeit und Verdunklung werden von den Alastoren eingesetzt. Alles in allem erhält man in diesem Kapitel einen guten Überblick darüber, wie man einen Charakter konzipieren sollte, damit er später als Alastor eingesetzt werden kann.

Das (Un)Leben als Alastor ist durchweg gefährlich

Das (Un)Leben als Alastor ist durchweg gefährlich

Den passenden Baukasten liefert das folgende Kapitel „Character and Traits“. Neben Anregungen zum Charakterkonzept und der Motivation des Charakters, gibt es Hinweise zu geeigneten Hintergründen, vier Disziplinskombinationen (Quick Sight, Iron Facade, Badger’s Hide und Lucinde’s Revenge) sowie neue Vorzüge und Schwächen. Abgeschlossen wird das Kapitel mit drei neuen thaumaturgischen Ritualen (Communicate with Kindred Bond Mate, Extinguish Flames und Ward versus Demons).

Das vorletzte Kapitel in Dread Names, Red List ist das „Storyteller Toolkit“. Als „Kessel Buntes“ geht es hier im Galopp durch Spielleiter-Tipps zum Einsatz der Roten Liste in der eigenen Chronik. Vom Spielstil (eher Action-orientiert oder eher investigativ) über das Charaktermanagement (bei Red List-Chroniken geben sich Justikare, Archonten, Prinzen, Sheriffs, Erstgeborene und Alastoren die Klinke in die Hand) über Story Hooks sowie sechs vorgestellte alternative Anathema lässt dieses Kapitel beim Spielleiter kaum einen Wunsch offen.

Abgeschlossen wird der Band mit „Path of Evil Revelations“. Hier finden Spieler, deren Ziel es ist, den eigenen Charakter auf die Rote Liste zu bekommen, einen durch und durch bösen Pfad samt dunkler thaumaturgischer Rituale.

Preis-/Leistungsverhältnis

Dread Names, Red List bietet für 14,99 USD viel brauchbares Material auf 128 Seiten. Neben Hintergrundmaterial zur Roten Liste und den Alastoren, welches die knappen Angaben im V20-Grundregelwerk deutlich vertieft, findet der Spielleiter viele Anknüpfungspunkte für die eigene Kampagne. Sowohl auf Seiten des Gegners, bei dem mit den dreizehn Anathema und den sechs alternativen Anathema mächtige Gegner bereitgestellt werden, als auch auf der Seite der Spieler bzw. temporärer Verbündeter findet sich hier genug. Die Spieler können in einer Chronik selbst Alastoren spielen, oder bei der Jagd auf einen Anathema mit den Alastoren in Konflikt geraten, oder mit diesen kooperieren. Und natürlich ist die Erschaffung eigener Alastoren möglich. Unabhängig vom Einsatz am Spieltisch hat bei Dread Names, Red List schon das Lesen des Bandes viel Spaß gemacht. Einer der wenigen Kritikpunkte, den ich habe: Mir hat die Vorstellung von ein oder zwei Alastoren gefehlt. Den Gegnern der Anathema wird in dem Buch viel Platz eingeräumt, sowohl vom Hintergrund als auch von den Regeln her. Da wäre die Vorstellung von ein oder zwei ausgearbeiteten Alastoren sinnvoll gewesen.

Das umfangreiche, über die Vorstellung der dreizehn Anathema hinausgehende, Material macht Dread Names, Red List für den Vampire-Spielleiter besonders wertvoll. Onyx Path hat hier richtiggemacht, was bei Kinder der Revolution falsch gemacht wurde. Dread Names, Red List wirkt einfach rund und hinterlässt bei mir nicht den faden Beigeschmack des „War das jetzt alles?“, den Kinder der Revolution hinterließ.

Erscheinungsbild

V20 Dread Names, Red List World of Darkness CoverDas vollfarbige Layout ist angenehm unauffällig und drängt nicht in den Vordergrund. Es ist übersichtlich und der Test bleibt auch vor Hintergrundbildern sehr gut lesbar. Die Bebilderung ist durchgehend auf sehr hohem Niveau. Aussetzer, wie teilweise im V20-Grundregelwerk, gibt es nicht. Neben den dreizehn farbigen ganzseitigen Charakterportraits der Anathema gibt es in Dread Names, Red List nur noch zwei weitere vollfarbige Illustrationen, alle sonstigen (teils ganzseitigen) Bilder sind in braun-beige gehalten, sind aber stimmungsvoll und wissen zu überzeugen. Das PDF ist solide erstellt, Ladezeiten sind auch bei den grafikintensiven Seiten nicht bemerkbar. Das Inhaltsverzeichnis ist voll verlinkt, vermisst habe ich lediglich einen Index.

Die harten Fakten:

  • Verlag: Onyx Path Publishing
  • Autor(en): Monica Valentinelli, Matt M. McElroy
  • Erscheinungsjahr: 2015
  • Sprache: Englisch
  • Format: PDF, Print on Demand
  • Seitenanzahl: 128
  • ISBN: –
  • Preis: 14,99 USD bis 27,99 USD
  • Bezugsquelle: DriveThruRPG

 

Bonus/Downloadcontent

Nichts.

Fazit

Dread Names, Red List behandelt die bei den Kainskindern sagenumwobene Rote Liste, auf der die dreizehn, nach Ansicht der Justikare, für die Camarilla gefährlichsten Gegner stehen. Diese Anathema sind zur endgültigen Vernichtung ausgeschrieben. Mit der Jagd auf die Anathema sind die Alastoren betraut: Kainskinder niedriger Generation, die den Willen der  Justikare und damit letztlich des Inneren Kreises vollstrecken. Der Band gibt dem Spielleiter alles an die Hand, um Anathema in seiner Chronik in Erscheinung treten zu lassen.

Spieler haben die Möglichkeit, einen Alastor als Charakter zu erschaffen oder auch einen bereits gespielten Charakter zum Alastor werden zu lassen. Und wer stärker zur dunklen Seite neigt, dem werden die Werkzeuge gegeben, um seinen Charakter dahingehend zu gestalten, dass er bei einem freiwerdenden Platz auf der Roten Liste eine Chance hat, selbst nachzurücken. Das enthaltene Hintergrundmaterial lässt themenspezifisch einen genaueren Blick auf Teilaspekte der Camarilla zu. Ein rundherum gelungener V20-Band.

Daumen5maennlich

Artikelbilder: Onyx Path Publishing
Dieses Produkt wurde kostenlos zur Verfügung gestellt.

Über den Autor
12755092_217195038628292_678576770_o

Markus Gockel ist passionierter Rollen- und Brettspieler. Er begann 1985 mit Das Schwarze Auge. Heute beschäftigt er sich vor allem mit Cthulhu, der Welt der Dunkelheit und seit dem Beta-Test zur fünften Edition zunehmend auch wieder mit Das Schwarze Auge.

 

 

 

 


Wissenwertes über uns

Dir ist nicht klar, was der Daumen unter einer Rezension bedeutet? Dafür haben wir diese Übersicht, die Dir dabei helfen soll, die Information dahinter zu verstehen.

Bei dem Magazin Teilzeithelden arbeiten rund 30 Menschen mit. Die Meinung eines Einzelnen stellt nicht unbedingt die Meinung aller dar.
Die Betriebskosten werden durch Anzeigen, Affiliate-Erträge und Spenden gedeckt, die Redakteure und Lektoren arbeiten unentgeltlich. Mit Patreon kannst Du unseren Kollegen "Danke!" sagen.
Patreon

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *