Warum ich lieber Spieler bin

Sep 07

Warum ich lieber Spieler bin

Wenn man mit dem Rol­len­spiel anfängt dann hat man zwei mög­li­che Rol­len (aus­ser denen des Sys­tems sel­ber), in die man Schlüp­fen kann: Spie­ler oder Spiel­lei­ter. In mei­nen vie­len Jah­ren, die ich nun schon spiele hatte ich nur 3 Aus­flüge auf die Spiel­lei­ter­seite, das war wäh­rend einer Wer­wol­frunde. Diese 3 Abende haben mir gezeigt: ich bin ein Spieler.

Es lag nicht daran, dass ich keine Ideen hatte oder die Spie­ler ein Pro­blem mit mir hat­ten. Es gibt ein­fach ein paar Fak­to­ren, die mich davon abhal­ten, wei­ter Aus­flüge auf die Spiel­lei­ter­seite zu unternehmen.

Spon­ta­ni­tät

Keine Frage, auch als Spie­ler gibt es Situa­tio­nen, in denen man spon­tan rea­gie­ren muss. Aller­dings bezieht sich die Spon­ta­ni­tät immer nur auf einen sel­ber. Stel­len wir uns doch mal vor die gesamte Runde ent­schei­det sich für einen Weg in der vom Spiel­lei­ter erdach­ten Story, die er so gar nicht geplant hat bzw. nicht bedacht hat. Und dann? Sich mal eben schnell was aus den Fin­gern sau­gen? Der Hor­ror! Da artet Spon­ta­ni­tät in rich­tige Arbeit aus.

Regel­kennt­nis

Klar beschäf­tige ich mich mit dem Sys­tem, in dem ich spiele. Vor­zugs­weise jedoch eher mit dem Hin­ter­grund, der Poli­tik, Gesell­schaft etc. Die Regeln lese ich mir durch, auch mehr als ein­mal, aller­dings neige ich dazu, sie oft­mals (zumin­dest in Tei­len) wie­der zu ver­ges­sen. Als Spie­ler kann man sich dann, wenn man unsi­cher ist, unaufäl­lig das Regel­werk zur Hand neh­men und noch­mal schnell nach­le­sen. Ein Spiel­lei­ter sollte mei­ner Mei­nung nach die Regeln des Sys­tems beherr­schen, ohne stän­dig im Buch blät­tern zu müs­sen. Zum einen bringt das den Spiel­fluss ins sto­cken (schließ­lich muss er/sie ja eine Rede­pause ein­le­gen, solange er blät­tert), zum ande­ren könn­ten Spie­ler sonst auf die Idee kom­men seine Auto­ri­tät in Sachen Regel­fra­gen zu unter­gra­ben — was wie­derum zu lang­at­mi­gen Regel­dis­kus­sio­nen füh­ren kann.

Durch­set­zungs­ver­mö­gen

Ein Spiel­lei­ter ist für mich so etwas wie — die Mut­ter der Rol­len­spiel­runde — — zu ihm kön­nen die Spie­ler gehen, wenn sie Fra­gen oder Pro­bleme habe. Ande­rer­seits muss ein Spiel­lei­ter sich aber auch durch­set­zen kön­nen und für Dis­zi­plin sor­gen kön­nen, wenn die Spie­ler mal wie­der über die Stränge schla­gen und eine ernste oder emo­tio­nale Situa­tion im Spiel droht ins Lächer­li­che zu kip­pen, weil mal wie­der einer ne blöde Bemer­kung gemacht hat. Dann ist es am Spiel­lei­ter das zu unter­bin­den. Wenn ein Spiel­lei­ter unsi­cher ist merkt man ihm das mei­ner Mei­nung nach an — und Spie­ler sind wie Raub­tiere: wenn sie ein­mal Schwä­che gewit­tert haben nut­zen sie das aus :)

Vor­be­rei­tung

Ich erlebe es ja immer live mit, wenn Roger sich auf unsere Rol­len­spiel­run­den vor­be­rei­tet: da wird Musik aus­ge­wählt, Bil­der von NSCs gesucht, Kar­ten gezeich­net und und und… da gehen manch­mal ein paar Stun­den für drauf. Ich sitze dann im Neben­zim­mer und freu mich schon tie­risch auf einen guten Abend. Ich weiss diese Vor­be­rei­tung unse­rer SL zu schäz­ten — aber sel­ber die ganze Arbeit machen? Näää.…

Für mich gibt es also einige Dinge, die für mein Spieler-Dasein spre­chen — ich finds ein­fach sehr viel ent­spann­ter. Nichts desto trotz möchte ich an die­ser Stelle sagen: liebe Spielleiter/innen, ich ziehe mei­nen Hut vor euch! Solch ein Ein­satz ist nicht selbst­ver­ständ­lich und gehört an die­ser Stelle ein­fach lobend erwähnt :)

Was ist denn mit euch? Seid ihr lie­ber Spie­ler oder Spiel­lei­ter? Oder sogar beides?

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6 Kommentare

  1. Sebastian /

    Die Frage ob man lie­ber Spie­ler oder Spiel­lei­ter ist kann ich für mich gar nicht so genau beant­wor­ten.
    Es kommt auf das Sys­tem an.

    Man­che Sys­teme spiele ich lie­ber, sei es nun Vam­pire, Shado­wrun oder Arcane Codex.
    Man­che Sys­teme leite ich lie­ber, wie Dark Heresy, Cthulhu oder die neue WoD.

    Die genann­ten Pro­bleme, die man als Spiel­lei­ter hat kann ich nur unter­schrei­ben. Aber auch das ist von Sys­tem zu Sys­tem unter­schied­lich.
    Regel­kennt­nisse ent­wi­ckeln sich mit der Zeit, die man als Spiel­lei­ter in einem Sys­tem ver­bringt. Umso län­ger man lei­tet, umso bes­ser wird das Ver­ständ­nis von den Regeln.

    Gerade das Star­ten eines neuen Sys­tems kann da sehr anstren­gend sein. Ich muss auch nach 5/6 Dark Heresy Run­den immer mal wie­der im Regel­buch blät­tern. Hier lobe ich mir gut sor­tierte Spiel­leit­er­schirme. Lei­der gibt es die nicht für alle Sys­teme. Im End­ef­fekt hilft es dann nur, wenn man sich die Regeln selbst zusam­men­fas­send her­aus­schreibt bis man sie von alleine im Gedächt­nis hat.

    Als Lei­ter halte ich meine Grup­pen auch gerne klein. Mehr als 4–5 Spie­ler müs­sen es da abso­lut nicht sein. Aus der Sicht des Spie­lers weiss man selbst, dass man ungern lange rum­sitzt wäh­rend andere am Zug sind. Umso weni­ger Spie­ler man hat, umso grö­ßer ist der eigene Spielanteil.

    Dies mag bei gewis­sen Sys­te­men und Spiel­sti­len, wie etwa dem „die Gefähr­ten“ Spiel­stil, wo im typi­schen Fan­tasy Set­ting alle 6 Hel­den immer zusam­men durch dunkle Dun­ge­ons tin­geln (Ste­reo­typ) ent­fal­len. Die­ser Art des Spiel­stils ist aber nicht mein favo­ri­sier­ter. Ich mag es, wenn ein­zelne Spie­ler ihre eigene Geschichte erle­ben kön­nen, so wie ich als Spie­ler auch mit mei­nem erdach­ten Hin­ter­grund, und allen sons­ti­gen sich dar­aus erge­ben­den Moti­ven, nach vorne spie­len möchte.

    Zu Klein darf eine Runde aber auch nicht sein. Zwei Spie­ler sind oft schon min­des­tens einer zu wenig um Grup­pen­dy­na­mik hin­ein zu bekommen.

  2. Bis vor weni­gen Mona­ten hätte ich mit dem Brust­ton der Über­zeu­gung gesagt: „Ich bin viel lie­ber ein Spie­ler und das Lei­ten wird mir nie­mals Spaß machen!“

    Doch dann habe ich ein Aben­teuer lang „gelit­ten“ ;) und was soll ich sagen? Es macht mir _verdammt_ viel Spaß. Vor­be­rei­tet hatte ich nichts dazu, son­dern mir spon­tan die Geschichte und die NPCs etc. über­legt, doch ich kann mir sehr gut vor­stel­len, dass mir auch eine aus­füh­ri­che Vor­be­rei­tung viel Spaß berei­ten würde.
    In der­art kur­zer Zeit in ver­schie­denste Rol­len zu schlüp­fen, die Atmo­sphäre zu beschrei­ben, das Szep­ter sel­ber in der Hand zu haben, ist großartig.

    Als Spie­ler ist man schließ­lich auf diese eine Rolle „beschränkt“ — diese Beschrän­kung ist mir zuvor jedoch nie als sol­che auf­ge­fal­len.
    Gro­ßer Plus­punkt des Spie­l­er­da­seins ist es natür­lich, dass man sel­ber die Aben­teuer erlebt und die Stim­mung des Abends voll­ends genie­ßen, sich auch mal ein­fach zurück­leh­nen kann.

    Hierzu muss ich lei­der sagen, dass meine jet­zige DSA-Gruppe nicht unbe­dingt mit fähi­gen Lei­tern glänzt. Trotz­dem würde ich nicht mit ande­ren spie­len wol­len, dafür bin ich ein­fach zu gut mit ihnen befreun­det und mag die Spiel­abende ins­ge­samt dann doch zu sehr. Die ein­zi­gen, die wirk­lich gut lei­ten kön­nen, lei­ten eher meine Cthulhu-Runde und die ist sehr selten.

  3. Heretic /

    Ich bin so gut wie immer SL, aus­ser wenn ich mal DSA spiele… Ich würde die­sen Schund(!) nie­mals lei­ten wol­len, ich würde irgend­wann wahn­sin­nig wer­den…
    Aber ja, ich komme auf Cons ab und an mal zum Spie­len, aus­ser wenn mich ein paar Spie­ler dazu „über­re­den“, Savage Worlds mit den Set­tings „Tour of Dar­k­ness“ oder „Necessary Evil“ oder „Necro­po­lis 2350″ ( frü­her auch D&D 3.X) zu lei­ten, weil ich anschei­nend nicht so schlecht leite, und iro­ni­scher­weise hier in der Region zwar anschei­nend wenig Leute SaWo ken­nen, aber die, die es ken­nen, die mögen es anscheinend.

    Ich spiele zwar gern als Spie­ler, aber ich leite viel lie­ber für enga­gierte und enthu­si­as­ti­sche Spieler…

  4. Ja, ich kann mir vor­stel­len dass es Sys­teme gibt, die man bes­ser lei­ten kann, als andere bzw. bei denen es irgend­wie mehr Spaß macht. Ich fand Wer­wolf eigent­lich auch ganz gut zu lei­ten, schlim­mer stelle ich es mir da bei wür­fel­las­ti­gen Spie­len wie AD&D vor.

  5. Ich muss ehr­lich sagen ich emp­finde es nicht als stö­rend, auf meine Rolle beschränkt zu sein, denn immer­hin habe ich im Rah­men des Cha­rak­ters viele Mög­lich­kei­ten, mich aus­zu­las­sen. Aber wie heisst es doch so schön: man kann nichts ver­mis­sen, was man nicht kennt :)

  6. DerKastellan /

    Ich finde das mit der Regel­kennt­nis ist nur begrenzt nötig.

    Ich habe eine sehr erfah­rene DSA-Runde, die zusam­men­ge­nom­men sehr viel Regel­kennt­nis hat. Die werde ich sel­tenst beleh­ren kön­nen, und will das auch gar nicht. Wenn etwas regel­tech­nisch unklar ist, dann reden wir drü­ber und machen es dann.

    Im nor­ma­len Spiel fällt das kaum auf, das meiste geht sehr flüs­sig. Und bei dem Wust an lang­wei­li­gen und aus­ufern­den Regeln, die DSA nun­mal aus­zeich­nen, habe ich da auch gar keine Wahl. Wir spie­len also so lange flüs­sig dahin, bis wir etwas Ver­hand­lungs­be­darf haben, und dann geht es auch.

    Die Regeln zu ken­nen, traue ich mir nur bei weni­gen Sys­te­men zu, die viel über­sicht­li­cher gestal­tet sind — z.B. Savage Worlds oder GUMSHOE.

    Wenn sich eine Gruppe bei den Regeln nicht eini­gen kann, sind DSA oder Path­fin­der unspiel­barm, weil alleine jeder Zau­ber eigene Regeln hat und es ste­tig mehr werden.

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