Rezension: Herr der Zeit (Joe Haldeman)

Sep 15

Rezension: Herr der Zeit (Joe Haldeman)

Hatte sich der Man­ti­kore Ver­lag bis­lang viel mit Spiel­bü­chern und Regel­wer­ken zu Rol­len­spie­len beschäf­tigt, ist der Roman „Herr der Zeit“ von Joe Hal­de­man der Beginn einer Pro­gram­mer­wei­te­rung. Der Roman ist eine Über­set­zung aus dem Eng­li­schen, das Ori­gi­nal erschien 2007 unter dem Titel „The Acci­dental Time Machine“. Min­des­tens zwei wei­tere Romane von Joe Hal­de­man sol­len bei den Man­ti­ko­ren erschei­nen, „Camou­flage“ und „Der Ewige Krieg“ (Im Jahr 2000 bei Heyne erschienen).

Erschei­nungs­bild

Das Buch kommt als Taschen­buch mit Kle­be­bin­dung daher. Das For­mat ist etwas grö­ßer als das übli­che Taschen­buch­for­mat, das ich so kenne. Das Papier ist Natur­pa­pier in gebro­che­nem Weiß, die Schrift ist rela­tiv groß, der Zei­len­ab­stand ebenso, wodurch das Buch ange­nehm zu lesen ist. Das Cover ziert eine gezeich­nete Illus­tra­tion pas­send zur Geschichte. Alles in allem solide Qua­li­tät für ein Taschen­buch, ich ärgere mich nur jedes Mal wie­der, wie schnell man Kni­cke, Krat­zer und ange­sto­ßene Ecken in diese Art von Buch­um­schlä­gen kriegt, wenn man die Bücher mit sich her­um­trägt. Aber das ist ein gene­rel­les Problem.

Die har­ten Fakten:

  • Autor: Joe Haldeman
  • Sei­ten­zahl: 310
  • Ver­lag: Man­ti­kore Verlag
  • Spra­che: Deutsch
  • ISBN-10: 3939212180
  • ISBN-13: 978–3939212188
  • Preis: 12,95 EUR
  • Bezugs­quelle: Ama­zon (Klick), Man­ti­kore Ver­lag (Klick )

Story

Matt Ful­ler ist ein Hoch­schul­ab­bre­cher, der sich als klei­ner For­schungs­as­sis­tent am MIT durch­schlägt. Seine Freun­din hat ihn vor Kur­zem ver­las­sen, seine Mut­ter ist eine Ner­ven­säge und auch sonst wirkt das Leben von Matt wenig aufregend. 

Durch Zufall baut er eine Zeit­ma­schine, die eigent­lich ein Kali­bra­tor sein sollte – jedes Mal, wenn er den Reset Knopf drückt, ver­schwin­det die Maschine und taucht nach einer bestimm­ten Zeit (jedes Mal 12 mal län­ger) wie­der auf. Nach­dem er ein wenig herum­ex­pe­ri­men­tiert hat (unter ande­rem mit einer Schild­kröte), aller­dings zu kei­nem befrie­di­gen­den Ergeb­nis kommt, beschließt Matt selbst mit der Zeit­ma­schine in die Zukunft zu rei­sen. Aus­schlag­ge­bend ist hier sicher­lich, dass er sei­nen Job am MIT an den neuen Freund sei­ner Ex ver­liert und ihn nun ohne­hin nichts mehr in sei­nem Hier und Jetzt hält.

Die Maschine kann ihn aller­dings nur in die Zukunft brin­gen, nicht aber in die Ver­gan­gen­heit. Die­ser Umstand ist Matt bekannt, er beschließt aber trotz­dem, das Aben­teuer zu wagen und hofft, in der Zukunft eine Mög­lich­keit zu fin­den, in die Ver­gan­gen­heit rei­sen zu können.

Und so beginnt Matts aben­teu­er­li­che Reise durch die Zukunft. Der erst Sprung führt nur wenige Jahr­zehnte in die Zukunft, wo alles ver­traut scheint, aber dann auch wie­der nicht. Er trifft alte Bekannte wie­der, die jetzt natür­lich alle wesent­lich älter sind, unter ande­rem auch seine Ex. So rich­tig hei­misch wird er in die­ser Zeit nicht, also drückt er aber­mals den Knopf. Dies­mal lan­det er in einer Zeit, in der die Men­schen got­tes­fürch­tige und bibel­treue Mit­glie­der einer rück­ent­wi­ckel­ten Zivi­li­sa­tion sind. Vie­les erscheint Matt selt­sam, aber er kann sich anpas­sen. Er lernt eine junge Frau ken­nen, Mar­tha, zwi­schen denen sich im spä­te­ren Ver­lauf eine zarte Lie­bes­ge­schichte ent­wi­ckelt. Doch auch in die­ser Zeit hält es Matt nicht lange und er drückt aber­mals den Knopf. Durch ein Ver­se­hen springt Mar­tha eben­falls mit ihm in die Zukunft. Man sollte mei­nen, so ein Sprung in die Zukunft trau­ma­ti­siert den Unwis­sen­den, aber durch Matts Unter­stüt­zung über­steht sie den Schock ohne grö­ßere Traumata.

Die nächs­ten Sprünge füh­ren die immer wei­ter in die Zukunft und immer noch hofft Matt einen Weg zu fin­den, in die Ver­gan­gen­heit zu rei­sen. Die zukünf­ti­gen Sze­na­rien bedie­nen sich bekann­ter Sze­na­rien und kom­men in mei­nen Augen ein wenig schwach daher.

Am Ende gelingt Matt und Mar­tha die Reise in die Ver­gan­gen­heit, wenn auch nicht wie geplant.

Schreib­stil

Den Schreib­stil von Joe Hal­de­man würde ich als ein­gän­gig locke­res Geplau­der beschrei­ben. Die Geschichte ist nicht zu kom­pli­ziert geschrie­ben, die Sätze haben eine gute Länge, so dass man die Story gut ver­fol­gen kann und sich nicht am Ende des Sat­zes fragt, was man am Anfang gele­sen hat.

Was mir an man­chen Stel­len ein wenig nega­tiv ins Auge gefal­len ist sind gehäuft auf­ge­tre­tene Recht­schreib­feh­ler oder feh­lende Worte – da bin ich ab und an ins Sto­cken gera­ten beim Lesen.

Der Stil ist sicher­lich kein Mach­werk von schrei­be­risch her­aus­ra­gen­der Qua­li­tät, und ich würde ihn als solide schrei­be­ri­sche Arbeit bezeich­nen. Diese Aus­sage bezieht sich jetzt auf die deut­sche Fas­sung, da ich kei­nen Ver­gleich zum eng­li­schen Ori­gi­nal zie­hen kann.

Preis-/Leistungsverhältnis

Beach­tet man ein­mal das etwas grö­ßere For­mat und die damit ein­her­ge­hende grö­ßere Text­menge, sind 12,95 Euro für ein Taschen­buch durch­aus ok. Über die Ver­ar­bei­tung lässt sich nicht meckern, ledig­lich über die gebo­tene Story, aber das ist Geschmackssache.

Fazit

Ich muss sagen, dass mich die Story von „Herr der Zeit“ nicht wirk­lich gefes­selt hat, an einige Stel­len fand ich sie sogar aus­ge­spro­chen dünn. Die ganze Zeit habe ich auf einen gro­ßen Knall gewar­tet, eine über­ra­schende Wen­dung, doch nichts der­glei­chen kam. Die Reise durch die Zeit wird durch­aus anschau­lich beschrie­ben, aber auf einen inter­es­san­ten Plot war­tet man in die­ser Geschichte lei­der vergeblich.


Unsere Bewer­tung

Erschei­nungs­bild ★★★½☆
solide Ver­ar­bei­tung, ange­neh­mes Papier und gut zu lesen­der Text
Story ★★☆☆☆
Keine Über­ra­schun­gen, kein inter­es­san­ter Plot
Schreib­stil ★★★☆☆
Unkom­pli­ziert und locker zu lesen, keine ver­schach­tel­ten Satz­bau­ten, feh­lende Worte, Rechtschreibfehler
Preis-/Leistungsverhältnis ★★★☆☆
Die Ver­ar­bei­tung ist solide Taschen­buch­qua­li­tät, was den Inhalt angeht, war es für mich eher enttäuschend
Gesamt ★★★☆☆
 

 

 

 

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