Illustratoren-Interview: Melanie Philippi

Okt 06

Illustratoren-Interview: Melanie Philippi

Wir hat­ten vor kur­zer Zeit einen Auf­ruf gestar­tet, in dem wir Illus­tra­to­ren in einem Kurzin­ter­view die Mög­lich­keit geben woll­ten, sich selbst und ihre Arbei­ten zu prä­sen­tie­ren. Erfreu­li­cher­weise haben sich auch ein paar Illus­tra­to­ren gemel­det und die Ant­wor­ten auf unsere Fra­gen wol­len wir hier nach und nach veröffentlichen.

Den Anfang macht Mela­nie Phil­ippi, die unter ande­rem auch schon für Das schwarze Auge [DSA] gezeich­net hat.

 

Annika: Bitte stelle Dich kurz vor: wie ist Dein Name? Wo wohnst Du? Wie alt bist Du?

Mela­nie:  Ich heiße Mela­nie Phil­ippi, bin vom guten Jahr­gang 1983 und lebe in Düs­sel­dorf. Ursprüng­lich stamme ich aus einem win­zi­gen Dorf in Rheinland-Pfalz, wo mich auf­grund der äußerst dünn gesä­ten Ange­bote für Jugend­li­che schnell die Liebe zum Rol­len­spiel packte.

Annika: Wie bist Du zum Zeich­nen gekommen?

DSA-Denkerin

DSA: Die Denkerin

Mela­nie: Ange­fan­gen hat es eigent­lich schon im Kin­der­gar­ten. Ich zeichne und male, seit ich den­ken kann. Diese Lei­den­schaft hat sich noch ver­tieft, als ich im Alter von 14 zum ers­ten mal mit ame­ri­ka­ni­schen Hel­den­co­mics in Berüh­rung kam. Die detail­rei­chen Figu­ren mit ihren mehr als per­fek­ten Kör­pern  und über­sti­li­sier­ten Gesich­ten haben mich sofort fas­zi­niert. Etwas spä­ter kam (so ist das wohl in dem Alter) auch eine gewisse Pas­sion für japa­ni­sche Man­gas und Ani­mes hinzu.

Natür­lich habe ich immer ver­sucht mei­nen dama­li­gen Ido­len (u.a. Michael Tur­ner und You Higuri) nach­zu­ei­fern, aber nach eini­ger Zeit, im Zuge mei­ner Ver­bun­den­heit zum Pen&Paper RPG, stellte ich fest, dass es für mich am Schöns­ten war, Sze­nen aus dem Rol­len­spiel mei­ner Gruppe, die eige­nen Cha­rak­tere und die mei­ner Freunde zu Papier zu bringen.

Es gin­gen einige Jahre ins Land, bevor ich es gewagt habe, mit mei­ner Kunst in die Öffent­lich­keit zu tre­ten, aber auf Drän­gen einer guten Freun­din, die eben­falls in mei­ner RP-Gruppe mit­spielt und sogar eine Dok­tor­ar­beit zum Thema Rol­len­spiel schreibt, habe ich mich getraut meine Fähig­kei­ten mal auf einer klei­nen RP-Convention unter dem Motto: „Phan­ta­gra­fie– dein Cha­rak­ter auf Papier“ anzu­bie­ten. Von die­sem Zeit­punkt an lief es fast wie von selbst. „Phan­ta­gra­fie“ ist ein Kunst­wort, zusam­men gesetzt aus „Phan­ta­sie“ und „Foto­gra­fie“, da ich quasi ver­su­che eine Foto­gra­fie der Phan­ta­sie des Auf­trag­ge­bers zu machen. :)

Seit der RPC die­sen Jah­res arbeite ich auch für Ver­lage, aber auch heute zeichne ich immer noch haupt­säch­lich Rol­len­spiel­chars für Privatleute.

Annika: Hast Du eine zeich­ne­ri­sche Aus­bil­dung (Stu­dium o. ä.) oder bist Du ein „Self­made Illustrator“?

Mela­nie:  Ein Stu­dium kann ich nicht vor­wei­sen, aber ich habe meine Fach­ab­itur im Bereich Gestal­tung abge­schlos­sen und habe einige Akt­zei­chen­kurse mit­ge­macht. Der Rest ist selbst erarbeitet.

Es klingt blöd, aber der Spruch „Übung macht den Meis­ter“ ist ein­fach wahr!

Annika: Bist Du ein Vollzeit-Illustrator oder ist das eher ein Neben­job?  Womit ver­dienst Du sonst Dein Geld?

Mela­nie: Ich bin Illus­tra­to­rin im Frei­be­ruf. Von der Kunst allein kann man als unge­lernte Zeich­ne­rin nur schlecht leben, des­we­gen übe ich noch einen Teil­zeit­job im Ein­zel­han­del aus. Diese Tätig­keit ist zwar wenig krea­tiv, aber sie lässt mir genug Frei­räume, um mich zeich­ne­risch zu ent­fal­ten und sie zahlt zuver­läs­sig die Lebens­er­hal­tungs­kos­ten! :)

Annika: Wel­chen Tipp wür­dest Du jeman­dem geben, der eben­falls als Illus­tra­tor sein Geld ver­die­nen möchte? Wel­che Stol­per­steine gibt es Dei­ner Mei­nung nach ?

Colours of Destiny

Colours of Destiny

Mela­nie: Ich weiß nicht, ob ich jeman­dem Rat­schläge dazu ertei­len kann, aber ich per­sön­lich halte es für wich­tig, sich nicht abso­lut auf die Kunst zu ver­las­sen. Solange man das nicht stu­diert hat und direkt als Gra­fi­ker in den Job ein­steigt, sollte man sich nicht kopf­über in das Free­lan­cer­tum stürzen.

Man lebt von der Auf­trags­lage und die kann eben schwan­ken! Ein gutes Händ­chen fürs Netz­wer­ken ist eben­falls ganz nütz­lich, also ein Blog oder eine Online-Galerie, wo man seine Werke aus­stellt för­dert immer die Mög­lich­keit, Auf­träge zu bekom­men. Der größte Stol­per­stein war für mich Angst vor der eige­nen Cou­rage. Es gehört schon eini­ges an Mut dazu, sich mit sei­ner Arbeit dem Publi­kum zugäng­lich zu machen, denn die Zeich­ne­rei ist etwas sehr inti­mes.  Jeder Künst­ler legt immer ein Stück von sich in sein Werk und setzt die­ses (und auch somit sich selbst) der Kri­tik und ggf. dem Wohl­wol­len des Publi­kums aus. Als Künst­ler ist man eigent­lich nur sehr schwer zufrie­den mit sich, und im Grunde ist das auch gut so, um sich wei­ter ent­wi­ckeln zu kön­nen, aber die­ser Per­fek­ti­ons­wille macht es einem auch sehr schwer, sich selbst für „gut genug“ zu befinden.

Annika: An wel­chen Pro­jek­ten hast Du bis­her gear­bei­tet (gerne wel­che mit Rol­len­spiel­be­zug)? Wel­ches hat Dir am meis­ten Spaß gemacht und wieso?

Mela­nie: Bis heute habe ich wirk­lich sehr, sehr viele Rol­len­spiel­cha­rak­tere zu Papier gebracht und ich freue mich jedes Mal aufs neue, wenn ein Spie­ler mir seine, mit Herz­blut geschaf­fene, Figur in die Hände gibt um ihr ein Gesicht zu ver­lei­hen. Zudem habe ich an eini­gen inof­fi­zi­el­len Fan­pro­jek­ten mit­ge­wirkt, wie dem DSA-Hörspiel „Das Unwiss­bare“ dem ich zur ers­ten CD ein Cover zeich­nete, oder dem Blog von Gola­ri­ons Chro­nis­ten, zu deren kos­ten­los down­load­ba­ren Aben­teu­ern ich einige Arche­ty­pen beige­steu­ert habe.

An „Offi­zi­el­lem“ ist bis­her vie­les noch nicht erschie­nen, aber unter dem Topic „Das schwarze Auge“ von Ulis­ses, konnte der geneigte Spie­ler bis­her einen Kro­ko­dil­krie­ger („Maru“ genannt) im neuen Aben­teuer „An frem­den Gesta­den“ betrach­ten. Dar­über bin ich selbst ganz aus dem Häus­chen, denn ich bin seit vie­len Jah­ren DSA­le­rin und finde es groß­ar­tig mei­nen Teil zur Gestal­tung Aven­tu­ri­ens bei­tra­gen zu kön­nen. Einige Gra­fi­ken sind noch in Petto und wer­den wahr­schein­lich dem­nächst ihren Weg in offi­zi­elle DSA Pro­dukte finden.

Eine wei­tere Zusam­men­ar­beit hat sich mit dem Buch­ver­lag Oldib erge­ben. Dort habe ich ein paar Illus­tra­tio­nen zu einem bald erschei­nen­den, wis­sen­schaft­li­chen Titel beige­tra­gen. In dem Buch geht es um Tol­kiens Zahlenmystik.

Charakter Art Lennard

Cha­rak­ter Art: Lennard

Annika: An wel­chen Pro­jek­ten arbei­test Du grade? Was hast Du für die Zukunft geplant?

Mela­nie: Im Augen­blick arbeite ich, wie schon erwähnt, an wei­te­ren Gra­fi­ken für DSA, und hoffe auch in Zukunft noch viel zu mei­nem Lieb­lings­rol­len­spiel bei­tra­gen zu kön­nen. Ein (noch nicht online gegan­ge­nes) Kick­star­ter Pro­jekt ist meine nächste Bau­stelle. Für eine neue Spiel-Engine ent­werfe ich gezeich­nete Gra­fi­ken, die dann hof­fent­lich bald vom Pro­gram­mie­rer der Soft­ware zum Leben erweckt wer­den. Ansons­ten bin ich damit beschäf­tigt, Figu­ren für ein Brett­spiel zu zeich­nen. Ein ambi­tio­nier­ter Hob­by­ist hat ein schachähn­li­ches Spiel ent­wor­fen, mit des­sen Pro­to­typ er vor­aus­sicht­lich auf der Spie­le­messe in Essen 2013 zuge­gen sein wird.

Zu guter Letzt nehme ich natür­lich immer gerne Auf­träge von Rol­len­spie­lern ent­ge­gen, die ich neben den ande­ren Pro­jek­ten auf jeden Fall wei­ter­hin zu Papier brin­gen werde. Mit die­sem Ange­bot habe ich ange­fan­gen zu illus­trie­ren, und das wird sich so bald auch nicht ändern! :)

Annika: Hast Du eine Inter­net­seite oder ein Online-Portfolio, wo man sich Deine Werke angu­cken kann?

Mela­nie:  In mei­ner Gale­rie der Künst­ler­seite „Devi­ant­art“ stelle ich in unre­gel­mä­ßi­gen Abstän­den immer mal wie­der neue Werke aus und ver­öf­fent­li­che  auch Skiz­zen oder Linearts:

http://phantagrafie.deviantart.com/

Dem geschrie­be­nen Wort widme ich mich auf mei­nem Blog, wo man haupt­säch­lich Berichte von Ver­an­stal­tun­gen fin­det, auf denen ich gezeich­net habe:

Annika: Du als Super­held – wie sähe das aus? Bitte eine kurze Zeich­nung und ein coo­ler Name.

Mela­nie: Das wäre Ner­dia! (Ankli­cken für grö­ßere Version)

 

 

Die Teil­zeit­hel­den sagen Danke für die­ses nette und auf­schluß­rei­che Interview.

 

 

 

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4 Kommentare

  1. Hallo und auch Danke von mei­ner Seite aus für das schöne Inter­view! :)

  2. Hey Mela­nie!
    Schö­nes Inter­view. Wirk­lich inter­es­sant mal ein biss­chen mehr über Kol­le­gen zu erfah­ren :D

    Ist auch wit­zig das wir uns dann in man­cher Hin­sicht doch stark unter­schei­den, also zB. Tra­di­tio­nel­ler Schwer­punkt / Digi­ta­ler Schwerpunkt.

    Und das du mit 14 rum Hel­den­co­mics und wohl auch die Liebe zum Rol­len­spiel gefun­den hast. Da waren wir ziem­lich zeitgleich! ^^

    Ich drück dir auf jeden­fall die Dau­men das du wei­ter­hin Erfolg hast und der Teil­zeit­job irgend­wann über­flüs­sig wird! :D

    LG
    Tony

  3. Marina /

    Inter­es­san­tes Inter­view — ich find die Zeich­nung des Super­hel­den cool :) Ich finds inter­es­sant zu lesen, wie es denn „hin­ter den Kulis­sen“ so aus­schaut und ein­fach mal einen Ein­blick kriegt. Ich bin gespannt auf das nächste Interview.

  4. Marcus (Drako Ashgorod) /

    Ein wirk­lich schö­nes Interview.

    Wie meine Vor­schrei­be­rin, Marina, schon meinte, ist es klasse, auch mal „hin­ter die Kulis­sen“ zu schauen.

    Ich finde das teil­weise viel viel inter­es­san­ter, als das Werk sel­ber oder gefakete „Making ofs“ von Künst­lern bzw. Pro­jek­ten, die bereits „Ruhm und Reich­tum“ erlangt haben…

    Dafür ein Danke an Annika und die Macher die­ses Magazins.

    Nun zu Melanie:

    Ich finde ihre Ein­stel­lung zu ihrem Schaf­fen und ihren Wer­ken abso­lut pro­fes­sio­nell und muß echt mei­nen „Frei­beu­tel­tier­hut“ — auch Nar­ren­kappe genannt — vor ihr ziehen.

    Man merkt den Wer­ken an, daß sie nicht ein­fach dahin­ge­malt wor­den sind, son­dern mit sehr viel Ein­füh­lungs­ver­mö­gen in den Gesamt­kon­text und Liebe zum Detail ent­stan­den sind.

    Auch wenn das oben ange­spro­chene Spiel erst Mitte nächs­ten Jah­res als Pro­to­typ bzw. als „Nullte Auf­lage“ vor­ge­stellt wer­den wird, ist es bereits jetzt nicht mehr ohne ihre Illus­tra­tio­nen vorstellbar.

    Mit ihrer Umset­zung mei­nes „Kopf­ki­nos“ gelingt es ihr wirk­li­che Uni­kate zu schaf­fen, wie sie kein stu­dier­ter Künst­ler hätte zeich­nen können.

    Auch wenn sie es in ihrer beschei­de­nen Art viel­leicht nicht gerne hört, aber sie hat den Stil der Illus­tra­tion des Spiels bestimmt… und das ist gut so!

    Dafür Mela­nie,
    ein rie­sen Danke und daß Dir auch in Zukunft nie­mals die Freude am Zeich­nen aus­ge­hen mag — auch wenn es manch­mal an Aner­ken­nung fehlt…

    Bleib wie DU bist, nimm Dir die Zeit, Dei­nen Stil wei­ter­zu­ent­wi­ckeln und aus­zu­bauen und ver­giss nie­mals, die Zeit Dei­ner ers­ten Erfolge…

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