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September 25, 2013 Geschrieben von Marc Keil

Campaign Wiki – die deutsche Alternative

Campaign Wiki – die deutsche Alternative

In unse­rem nächs­ten Teil der Serie „Kam­pa­gnen­ma­nage­ment­sys­teme im Netz“ haben wir uns auf Anre­gung unse­res Lesers Tarin http://www.campaignwiki.org ange­se­hen. Bei die­sem Sys­tem han­delt es sich um eine von Alex Schrö­der auf­ge­setzte Wiki-Umgebung, die er der Öffent­lich­keit kos­ten­los zur Ver­fü­gung stellt. Er betreibt neben einer Mailing-Liste auch eine Google+-Seite.

Was ist Cam­paign Wiki ?

Bei Cam­paign Wiki han­delt es sich um eine von Alex Schrö­der ent­wi­ckelte Wiki-Umgebung, genannt Odd­muse. Er ver­wen­det Cam­paign Wiki zur Ver­wal­tung sei­ner Kam­pa­gnen und stellt die Instal­la­tion solange der gan­zen Welt zur Ver­fü­gung. Man kann ohne Anlage eines Nut­zer­ac­counts einen eige­nen Unter­be­reich eröff­nen, den man mit eige­nen Inhal­ten fül­len kann.

Wir spre­chen hier von einem klas­si­schen Wiki, es exis­tie­ren also keine Nut­zer­grup­pen, spe­zi­elle Inhalt­s­ty­pen, XP-Tracker, Jour­nale oder Sons­ti­ges. Jede Kam­pa­gne muss für sich selbst auf­ge­baut wer­den und dafür exis­tie­ren keine strik­ten Vor­ga­ben. Dafür dür­fen belie­big viele Kam­pa­gnen geführt wer­den. Über die Über­sicht kann man sich sämt­li­che vor­han­de­nen Kam­pa­gnen anse­hen und auch belie­big einsehen.

Was kann Cam­paign Wiki ?

Die Soft­ware ist eine klas­si­sche Wiki-Installation ohne groß­ar­tige Schnör­kel. Auf der Info-Seite wird die grund­le­gende Bear­bei­tung der ein­zel­nen Sei­ten erläu­tert. Die typi­sche Wiki-Markup-Sprache hat sich hier­bei durch­ge­setzt. Diese ent­spricht den gän­gi­gen Kon­ven­tio­nen und ist prak­tisch selbsterklärend.

Mit die­sem Hand­werks­zeug aus­ge­rüs­tet kann auch der Laie sich direkt in die Web­sei­ten­er­stel­lung stür­zen. Ein klei­ner Tipp am Rande: Wenn ihr eine neue Seite erstellt, tut dies in bereits erstell­ten Sei­ten, damit ihr immer min­des­tens einen Link zum Thema habt. Ansons­ten fin­det ihr eure Sei­ten nur unter Letzte Ände­run­gen wie­der und auch da sind sie schnell vergessen.

Daher fol­gen­der Rat­schlag: Legt eure Kampagnen-Homepage als Por­tal an, das außer einem Ein­lei­tungs­satz nur Links zu wei­te­ren Sei­ten ent­hält. Anders als die ande­ren Pro­dukte ver­fügt man über keine Auf­lis­tung vor­han­de­ner Sei­ten und auch einen WYSIWYG-Editor sucht man ver­geb­lich. Immer­hin kann man seine Inhalte auch in eine Datei laden und von dort direkt importieren.

Ein wei­te­rer sehr ange­neh­mer Punkt ist die Tat­sa­che, dass man Bil­der direkt im Wiki als Seite hoch­la­den und in den Arti­keln refe­ren­zie­ren kann. Diese Mög­lich­keit gibt es bei Epic Words und Obsi­dian Por­tal zwar auch, aber nur mit ganz wenig Spei­cher­platz oder eben gleich in der Bezahlversion.

Tipps für Fortgeschrittene

Hat man sich mit den ers­ten Hür­den von Cam­paign Wiki ange­freun­det, kann man begin­nen, die fort­ge­schrit­te­nen Edi­tier­me­tho­den für sich zu nut­zen. Hier taucht man tie­fer in Wei­ter­ent­wick­lung des Sys­tems ein und kann die­ses an ent­schei­den­den Stel­len ver­än­dern. Das popu­lärste Bei­spiel ist hier wahr­schein­lich die Anpas­sung der Optik. Der Benut­zer darf eigene CSS-Dateien ver­wen­den um das eigene Design auf­zu­hüb­schen. Diese Option wird zum Bei­spiel von den Kam­pa­gnen Hel­le­barde und Helme und Aachen in den Schat­ten verwendet.

Die Anpas­sungs­mög­lich­kei­ten sind eher spar­ta­nisch und Bil­der sind nach wie vor das Mit­tel der Wahl, aber immer­hin kann man so dem schwarz-auf-grünen Flair ent­flie­hen, sollte es den Mit­spie­lern nicht zusa­gen. Grund­sätz­lich sor­gen die fort­ge­schrit­te­nen Funk­tio­nen für sinn­volle Erweiterungen.

Da wäre zum Bei­spiel das Jour­nal: Erstellt man neue Bei­träge mit­tels der „Neu“-Funktion oder des Kalen­ders, wer­den die letz­ten 10 Bei­träge ange­zeigt. Ein Aben­teu­er­log also. Wich­tig dabei: Der Titel der Seite muss einem Datum ent­spre­chen um als Jour­nal erkannt zu wer­den. Erstelle ich mit­tels „Neu“ einen neuen Arti­kel und benenne die­sen um erscheint die­ser lei­der nicht im Journal.

Para­me­ter wie „future“ oder „past“ sind hier ganz nett, jedoch zäh­len diese immer vom jewei­li­gen Datum an, daher wer­den die Logs am ein­fachs­ten nach rea­lem Datum geführt. Die Kalen­der­ein­träge sind übri­gens auch ein­fa­che Wiki-Seiten, eine beson­dere Logik ist hier nicht vorgesehen.

Pass­wort­schutz für Seiten

Inter­es­sant ist die Anlage pass­wort­ge­schütz­ter Sei­ten. Ich habe die Mög­lich­keit, durch die Ein­gabe eines Pass­worts in der ers­ten Zeile einer neuen Seite diese zu sper­ren. Das ist prak­tisch, wenn man die dar­auf ange­ge­be­nen Inhalte nicht für jeden zugäng­lich machen möchte.

Ich kann sogar meh­rere Pass­worte ange­ben. Dadurch kann ich jedem Mit­spie­ler ein eige­nes Pass­wort ver­pas­sen und die Sei­ten ent­spre­chend mit Pass­wor­ten bestü­cken, damit jeder nur seine Infor­ma­tio­nen sehen kann. Fein­gra­nu­lare Infor­ma­tio­nen an einer Seite sind dadurch zwar nicht mög­lich, aber immer­hin sind eigene Sei­ten für per­sön­li­che Sei­ten für jeden Spie­ler denk­bar, ohne den Spiel­lei­ter durch den Ver­wal­tungs­auf­wand wahn­sin­nig wer­den zu lassen.

Durch die Mög­lich­keit, Sei­ten in andere Sei­ten zu inklu­die­ren kann ich sogar eine Seite mit all­ge­mei­nen Infor­ma­tio­nen erstel­len und eine Spiel­lei­ter­seite, die pass­wort­ge­schützt ist, anhän­gen. Die Spie­ler sehen zwar „Ah, da ist noch mehr Infor­ma­tion!“, diese ist ihnen aber nicht zugäng­lich. Die Sei­ten­ti­tel sind aber jeder­zeit sicht­bar, daher kön­nen fin­dige Spie­ler zumin­dest schon mal anhand der Namen abse­hen, wel­che Schau­plätze oder Cha­rak­tere bereits vor­be­rei­tet sind.

Ach ja – jeder muss sein Pass­wort übri­gens selbst im Admi­nis­tra­ti­ons­menü ange­ben, dafür ist dann auto­ma­tisch jede Seite mit eige­nem Pass­wort direkt nach Ein­gabe entsperrt.

Eine grund­sätz­li­che Gefahr von Wiki-Systemen ist, dass jede Seite geän­dert wer­den kann, auch von Frem­den. Zwar hat man über die Ver­sio­nie­rung die Mög­lich­keit, alte Stände wie­der her­zu­stel­len, hin­ter­her auf­zu­räu­men ist aber immer schwie­ri­ger als im Vor­feld einen Rie­gel vorzuschieben.

Alter­na­tiv kann jede Seite mit Pass­wort gesi­chert wer­den. Dadurch muss aber jeder, der Sei­ten edi­tiert, das Pass­wort aller ande­ren Nut­zer nicht nur ken­nen son­dern auch ein­fü­gen, wes­we­gen diese Rolle wahr­schein­lich wie­der dem Spiel­lei­ter oblie­gen wird. Immer­hin darf jeder mit einem tech­ni­schen Back­ground alle Daten sei­ner Kam­pa­gne zu jeder Zeit herunterladen.

Für wen ist Cam­paign Wiki geeignet?

Die­ses Sys­tem ver­langt nach Auf­merk­sam­keit. Anders als bei der Kon­kur­renz erhält man kei­nen gesteck­ten Rah­men, in dem man sei­ner Krea­ti­vi­tät freien Lauf las­sen kann. Cam­paign Wiki ver­langt nach Struk­tur und dem Wil­len, diese zu pflegen.

Zu Beginn sollte sich die Gruppe also dar­auf ver­stän­di­gen, wel­che Grund­re­geln es gibt und wie diese ein­ge­hal­ten wer­den sol­len. Jeder Ein­zelne ist für die Ord­nung im Sys­tem ver­ant­wort­lich und fügt man seine Sei­ten nicht ordent­lich in die Struk­tur ein, besteht die Gefahr, dass diese Sei­ten nicht gele­sen werden.

Das Sys­tem glänzt nicht durch Benut­zer­freund­lich­keit. Man muss sich zwangs­läu­fig mit Wiki-Markup aus­ein­an­der­set­zen und sollte die oben ver­link­ten Anlei­tun­gen gele­sen und ver­stan­den haben.

Daher ist Cam­paign Wiki  eine Low-Budget Lösung für alle Grup­pen, die zwar ihre Errun­gen­schaf­ten auf­zeich­nen wol­len, aber auf Schnick­schnack wie XP-Tracker, geheime Infor­ma­tio­nen oder ein beson­ders struk­tu­rier­tes Aben­teu­er­jour­nal ver­zich­ten können.

Fazit

Cam­paign Wiki ist die deut­sche Light-Version zu Epic Words und Obsi­dian Por­tal. Der Funk­ti­ons­um­fang ist im Ver­gleich zu der Kon­kur­renz sehr spar­ta­nisch. Dafür ver­fügt man über die abso­lute Frei­heit eines Wikis. Die Ein­stiegs­hürde, solange man seine Sei­ten nicht sperrt, ist gering: Jede Seite ist über einen ein­fa­chen Link auf­zu­ru­fen und kann so pro­blem­los in Foren oder Facebook-Gruppen refe­ren­ziert werden.

Wer sich auf das Wiki ein­lässt, den belohnt es mit der rela­tiv ein­fa­chen Erstel­lung neuer Inhalte, dem voll­stän­dig kos­ten­freien Funk­ti­ons­um­fang und der Frei­heit, seine Inhalte gemäß der eige­nen Vor­stel­lun­gen zu erstellen.

Auf der nega­ti­ven Seite feh­len zahl­rei­che Funk­tio­nen bzw. sind nur rudi­men­tär umge­setzt: Jeder Nut­zer ist dafür ver­ant­wort­lich die eigene Kam­pa­gne ordent­lich zu hal­ten und sinn­voll zu struk­tu­rie­ren – sonst ver­schwin­den Sei­ten schnell im Nir­wana. Die Journal-Funktion ist zwar nett gemeint, aber in der Pra­xis ist eine eigene Lösung wahr­schein­lich besser.

Ins­ge­samt schlägt sich das Pri­vat­pro­jekt wacker – für die meis­ten Kam­pa­gnen reicht der Funk­ti­ons­um­fang voll­kom­men aus und wem es in ers­ter Linie um das Fest­hal­ten der kam­pa­gnen­re­le­van­ten Infor­ma­tio­nen geht, der fin­det in die­ser kos­ten­freien Vari­ante, was er sucht.

Arti­kel­bild: Alex Schrö­der, Flickr

 

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1 Kommentar

  • Hab ich mir ma ange­se­hen. Finde ich ja voll unsexy so vom Look und so .….….…

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