Angeschaut: The Dark Knight rises

Aug 11

Angeschaut: The Dark Knight rises

Der Dunkle Rit­ter ist zurück — nach­dem es in die­sem Kino­jahr mit „The Aven­gers“ schon ein Feu­er­werk an Actionun­ter­hal­tung vom bun­ten Super­hel­de­n­en­sem­ble gab, schickt nun auch Regis­seur Chris­to­pher Nolan sei­nen Bat­man in die Schlacht. Sei­nen Bat­man? Nun Chris­to­pher Nolan hat die Figur natür­lich nicht erfun­den, seine Film­er­zäh­lung über den Rächer von Gotham City gilt aller­dings rund um den Glo­bus als Mei­len­stein der Comi­cver­fil­mun­gen. Die Erwar­tun­gen an das Ende der Tri­lo­gie waren unglaub­lich hoch. Ob der Abschluss der Dark Knight Filme tat­säch­lich gelun­gen ist, oder, wie so oft bei diver­sen Fort­set­zungs­rei­hen, die Luft aus­geht, erfahrt ihr in die­ser Kritik.

Die Geschichte beginnt ganze acht Jahre nach „The Dark Knight“, in der nicht nur der Joker sein Unwe­sen in den Stra­ßen von Gotham City trieb son­dern auch die strah­lende Figur des Har­vey Dent am Ende in ein düs­te­res Schick­sal stürzte. Doch das Geheim­nis um den plötz­li­chen Tod des Stadt­hel­den Dent behielt Poli­zei­chef Gor­don (Gary Old­man) für sich. Har­vey Dent hin­ter­ließ der Stadt harte Gesetzte, die dafür sor­gen, dass es in der Stadt nahezu keine Ver­bre­chen mehr gibt. Jähr­lich wird aus die­sem Grund eine Gedenk­feier ver­an­stal­tet, bei der es James Gor­don immer schwe­rer fällt, das Lügen­ge­rüst auf­recht zu erhal­ten, wäh­rend der eigent­li­che Held Bat­man als Mör­der gebrand­markt wird.

Bruce Wayne (Chris­tian Bale) hat das Cape des Dunk­len Rit­ters abge­legt und lebt völ­lig zurück­ge­zo­gen in sei­nem rie­si­gen Anwe­sen. Von tie­fen kör­per­li­chen und see­li­schen Wun­den gezeich­net, ist er nur noch ein Schat­ten sei­ner selbst. Die Lebens­geis­ter des geschun­de­nen Hel­den ver­gan­ge­ner Tage wer­den erst wie­der geweckt, als eine ebenso geschickte wie schöne Ein­bre­che­rin (Anne Hat­ha­way) sich an der Per­len­kette von Way­nes Mut­ter bedient und selt­sa­mer­weise auch noch die Fin­ger­ab­drü­cke des Haus­her­ren mit­ge­hen lässt.

Der trü­ge­ri­sche Stadt­frie­den von Gotham City ist schlag­ar­tig vor­bei als der grob­schläch­tige Söld­ner Bane (Tom Hardy) sein Ver­steck ver­lässt und mit einer gan­zen Horde aus abge­här­te­ten Vete­ra­nen und Kri­mi­nel­len die Bür­ger in Angst und Schre­cken ver­setzt. Nur einer kann ihn auf­hal­ten – Wayne kehrt aus dem Ruhe­stand zurück um sich ein letz­tes Mal in den Dunk­len Rit­ter zu ver­wan­deln, doch sein bru­ta­ler Wider­sa­cher scheint unaufhaltsam…

Geschickt baut Regis­seur Chris­to­pher Nolan die Hand­lung auf und legt ein brei­tes Netz über seine Film­reihe, die im Abschluss zahl­rei­che Ver­knüp­fun­gen bereit­hält. Die Hand­lung nimmt sich dabei aus­rei­chend Zeit um durch die Figu­ren Bruce Wayne und sei­nen treuen But­ler Alfred (Michael Cain) eine emo­tio­nale Grund­lage für den Zuschauer zu schaf­fen. Die Erzäh­lung, die mit sat­ten 164 Film­mi­nu­ten auf der Lein­wand flim­mert, wird mit einer Viel­zahl an Figu­ren und Hand­lungs­strän­gen der Erwar­tung eines wür­di­gen Fina­les gerecht. Neben dem gewohnt guten Spiel der bekann­ten Schau­spie­ler, fügen sich auch die Neu­zu­gänge pro­blem­los ein. Wäh­rend die Frauen sich auf gänz­lich gegen­sätz­li­che Rol­len in Form der mys­te­riö­sen Ein­bre­che­rin Selina Kyle (Anne Hat­ha­way) und der wohl­ha­ben­den Miranda Tate (Marion Cotil­lard) als Vor­stands­mit­glied von Wayne Enter­pri­ses auf­tei­len, über­zeugt Joseph Gordon-Levitt als enga­gier­ter Nach­wuchs­po­li­zist John Blake. Über die Rolle des Böse­wichts in Form von Bane mag man geteil­ter Mei­nung sein, mutet doch, nach dem gran­dio­sen Schau­spiel von Heath Led­ger als Joker im letz­ten Teil, der bru­tale Schlä­ger mit Gesichts­maske und ble­cher­ner Stimm­ver­zer­rung selt­sam an. Doch Bane über­zeugt durch seine schiere kör­per­li­che Prä­senz. Die Zuschauer dürf­ten durch das bru­tale Vor­ge­hen des Söld­ners ein inten­si­ves Span­nungs­ge­fühl erle­ben, dass durch die unge­wohnte Zur­schau­stel­lung der ver­wund­ba­ren Bat­man­fi­gur ver­stärkt wird.

Nolans düs­tere Erzäh­lung der tra­gi­schen Hel­den­fi­gur im Bat­man­kos­tüm lie­fert ein erfri­schen­des Kon­trast­pro­gramm zu den Marvel-Blockbustern. Ernst­haft, rea­lis­tisch und ohne über­bor­dende Effekt­ha­sche­rei wird die Geschichte auf die Lein­wand gewor­fen. Hand­feste Action gibt es aber natür­lich auch im Finale zu bestau­nen. Der Film legt immer wie­der geschickt Cha­rak­ter­mo­mente und Hin­ter­grund­er­zäh­lun­gen ab und prä­sen­tiert rasante Bil­der und dra­ma­tisch zuspit­zende Actionszenen.

Mit The Dark Knight Rises“ schafft Chris­to­pher Nolan mei­ner Mei­nung nach einen befrie­di­gen­dem Abschluss sei­ner epi­schen Fledermaus-Trilogie. Befrie­di­gend, weil einige Sze­nen etwas zu lang sind und man­chê Gesell­schafts­kri­tik deplat­ziert wirkt. Doch ohne Zwei­fel ist das Kri­tik auf hohem Niveau, denn der Film ist ansons­ten ein gelun­ge­nes Werk, wel­ches naht­los an die bei­den vor­he­ri­gen Teile anschließt. Die Mess­latte für zukünf­tige Bat­man­filme dürfte somit ver­dammt hoch lie­gen. Ich bin mir sicher, dass ich die düs­te­ren Geschich­ten aus Gotham City ver­mis­sen werde.

Hol­gers Mei­nung zu dem Film

Ich hatte das Glück, den Film im eng­li­schen Ori­gi­nal sehen zu kön­nen, was ja lei­der hier in der Gegend nur sel­ten mög­lich ist. Das ändert aber an dem Film an sich herz­lich wenig, bis auf die Tat­sa­che, dass Bane im Ori­gi­nal erheb­lich schlech­ter klingt als in der deut­schen Synchronisation.

Den Film als Super­hel­den­film zu bezeich­nen, finde ich aller­dings irgend­wie nicht rich­tig. Klar, es geht um einen Super­hel­den. Aber der tritt in DKR nur wenig in Aktion. Wenn er es dann doch tut, fehlt auch irgend­wie die Cool­ness, die er im zwei­ten Teil der Reihe defi­ni­tiv noch hatte.

Auch der Böse­wicht des Fil­mes, Bane, ist über große Teile des Films ein­fach nur ein extrem bru­ta­ler Schlä­ger, des­sen Moti­va­tion nicht recht klar wird. Er wirkt irgend­wie wie eine kör­per­lich stär­kere, dafür wesent­lich blas­sere, schlechte Kopie des Jokers. Schade. Bane ist eigent­lich erheb­lich mehr als das!

Die ande­ren neuen Figu­ren, Selina Kyle (bes­ser bekannt als Cat­wo­man, was aber im Film nie so genannt wird), John Blake und Miranda Tate sind da etwas viel­schich­ti­ger und inter­es­san­ter, aber lei­der auch nicht wirk­lich spannend.

Gegen Ende der Hand­lung kom­men dann noch ein paar Ent­hül­lun­gen, die über­ra­schen sol­len, das auch teil­weise (man­che Dinge waren zu offen­sicht­lich und über­rasch­ten daher eigent­lich gar nicht) tun, aber wirk­li­che Span­nung kam in dem Film nicht auf.

Am Ende steht ein Film da, der vor allem laut, bru­tal und lang ist. Nach dem gran­dio­sen The Dark Knight ist The Dark Knight Rises ein extrem schwa­ches Ende für die Reihe. Und ob es wirk­lich das Ende ist oder doch die Option, die am Ende bewusst kon­stru­iert wird, genutzt wird, um wei­ter zu machen, wird sich zeigen.

Trai­ler

 

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5 Kommentare

  1. Chabneruk /

    Ich mag Nolans Bat­man. The Dark Knight ist groß­ar­tig und auch TDKR war ein guter Abschluss. Kann mich Sebas­tian da nur anschlie­ßen, mit der Anmer­kung, dass auch einige über­flüs­sige Neben­fi­gu­ren im Spiel waren (der blonde Poli­zei­cap­tain, Selinas Freun­din, der Pries­ter mit den Kin­dern) ohne die der Film noch strin­gen­ter hätte sein kön­nen. Trotz­dem: Hat die Tri­lo­gie für mich gut abgerundet.

    Hol­gers Kri­tik kann ich mich in ver­schie­de­nen Punk­ten nicht anschlie­ßen. Aber am meis­ten stört mich, dass Bane eine „blas­sere, schlechte Kopie des Jokers“ sein soll.

    Ich ver­mute mal, dass hier Nolans Joker gemeint ist und lasse im Ver­lauf die Comics außen vor. Mir erschien Bane als ein völ­lig ande­rer Typ als der Joker. (Mög­li­che Spoi­ler vor­aus!)
    Bei­spiele:
    – Der Joker ist Bat­man phy­sisch unter­le­gen, aber psy­chisch unan­greif­bar / Bane ist stär­ker als Bat­man, aber auch wenn er ein Fana­ti­ker ist, hat er Schwach­punkte (Trä­nen am Ende…)
    – Der Joker ist die Zünd­schnur, Gotham die Bombe die sich selbst ver­nich­tet / Bane ist die Bombe
    – Der Joker arbei­tet mit einer klei­nen Gang / Bane befeh­ligt eine halbe Armee
    – Die Moti­va­tio­nen des Jokers sind uner­gründ­lich / Bane hat eine ein­deu­tige Motivation

    Und so wei­ter. Sonst könnte man ja auch sagen, dass Sca­re­crow eine Kopie des Jokers ist (greift Bat­man psy­cho­lo­gisch an, ist wahn­sin­nig etc.) Klar haben Batman-Gegenspieler Gemein­sam­kei­ten. Ich fand aber, dass Bane sich durch­aus vom Joker absetzte. Obgleich ich zustimme, dass Ledgers Joker der deut­lich stär­kere Cha­rak­ter ist…

  2. Holger /

    Ja, ich meinte den Joker aus dem Film, nicht den aus den Comics.
    Und natür­lich gibt es Unter­schiede, aber ich fand beide von ihrer Grund­idee rela­tiv ähn­lich… keine übli­chen Ver­bre­cher son­dern Leute, die die Stadt durch Ter­ror in Gei­sel­haft neh­men und Angst erzeu­gen wol­len.
    Wo der Joker das aber durch psy­cho­lo­gi­sche Finesse macht, ist Bane ein­fach nur bru­tal.
    Gerade dein Punkt „Der Joker ist die Zünd­schnur, Gotham die Bombe die sich selbst ver­nich­tet / Bane ist die Bombe“ trifft genau das, was ich meinte…
    Und ich finde, dass die Moti­va­tion des Jokers gegen Ende von TDK gut erklärt wurde… ebenso wie die von Bane bei TDKR

  3. Chabneruk /

    Schwie­rig, das ohne Spoi­ler zu dis­ku­tie­ren. Las­sen die Kom­men­tare HTML-Befehle zu? ;)

    Das mit der Gei­sel­haft war bei bei­den aber nur eine Vor­stufe zum eigent­li­chen Ziel. Beim Joker ist es nicht die Zer­stö­rung Gothams, son­dern dass er bewei­sen will, dass jeder Mensch dazu fähig ist, seine (im nor­ma­len Leben leicht ein­zu­hal­te­nen) Prin­zi­pien zu brechen.

    Ich fand bei TDK auch, dass die Moti­va­tion des Jokers zwar ange­ris­sen wurde, aber am Ende schlei­er­haft blieb — was den Cha­rak­ter rich­tig stark machte. Klar, er will die Welt bren­nen sehen, ist ein Hund der hin­ter Autos her­jagt und will bewei­sen, dass jeder tief innen so häss­lich ist wie er selbst… aber das alles ist doch irgend­wie nichts Kon­kre­tes. Es beschreibt was er tut, aber nicht, warum er es tut. Und dass zumin­dest das mit dem Hund hin­ter Autos Blöd­sinn ist, zeigt sich ja daran, dass er unglaub­lich kom­plexe Pläne schmiedet.

    Ich sehe das so wie seine Hin­ter­grund­ge­schichte: Der Film macht es gerade dadurch zu einer unlös­ba­ren Frage, weil er ver­schie­dene Mög­lich­kei­ten anbie­tet, die wahr sein könn­ten — aber man erfährt es nie.

    Das ist auch das, was ich am Joker bes­ser finde als an Bane. Bane ist ein­fach direk­ter. Er hat ein Ziel, er ver­folgt es — und wenn man den Film ein­mal gese­hen hat, weiß man auch wel­ches. Das ist beim Joker anders, den fin­det man auch beim ach­ten Mal schauen noch undurch­schau­bar, selbst wenn man weiß, was er plant.

    Wobei ich Bane nicht „ein­fach nur bru­tal“ finde. Er ist intel­li­gent, das merkt man an sei­ner Rede. Ihm fehlt das Geheim­nis­volle, Beun­ru­hi­gende des Joker. Das macht er dann durch das Kör­per­li­che wie­der wett :)

  4. Sebastian K. /

    Kann da Chab­neruk nur Zustim­men — ich mag beide Schur­ken, der Joker und Bane haben ihre unter­schied­li­chen Stär­ken. Klar die Zur­schau­stel­lung des Jokers war ein­fach gran­dios, da wird so schnell kein Film­bö­se­wicht ran­kom­men. Bane ist anders, eben­falls prä­sent und trotz­al­lem kein ein­fa­cher Schlä­ger — in jedem Fall eine Her­aus­for­de­rung für den Dunk­len Ritter.

  5. Im Grunde genom­men finde ich, ist TDKR eigent­lich ein soli­der Film gewor­den. Er hat ledig­lich ein gewal­ti­ges Pro­blem — das aber bereits direkt nach den Pre­mie­ren von The Dark Knight gemau­schelt wurde: Er steht im gewal­ti­gen Schat­ten sei­nes Vor­gän­gers. An einen Böse­wicht wie Ledger’s Joker KANN ein Bane nicht her­an­kom­men.
    Aber wie die Story ja zeigt ist Bane nicht der böse Mas­ter­mind, son­dern eben der Fuß­sol­dat eines grö­ße­ren Geis­tes im Hintergrund.

    Ich per­sön­lich finde TDKR in Gren­zen gelun­gen: Er ist ein soli­der Film, der ver­sucht, die Hand­lungs­fä­den der Bat­man Tri­lo­gie zusam­men zu füh­ren. Einige Sze­nen haben aber das Ende zu offen­sicht­lich gestal­tet. Alfred, wie er sich im fer­nen Europa all­jähr­lich einen Fer­net Branca gönnt. Irgend­wie war von vorn­her­ein klar, dass diese Szene nur dazu im Film exis­tiert, um gegen Ende noch ein­mal auf­ge­grif­fen zu wer­den, beispielsweise.

    Für Batman-Puristen und Comic-Liebhaber bleibt natür­lich eine rela­tiv breite Angriffs­flä­che. Aber für den Otto-Normal-Zuschauer bleibt eine hand­werk­lich und erzäh­le­risch größ­ten­teils solide Leis­tung, die — trotz dem leich­ten Zurück­ste­hen hin­ter dem Vor­gän­ger — einen wür­di­gen Abschluss für Nolans Batman-Trilogie bildet.

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