Rezension: Improspiel — Wie Improvisationstheater dein Rollenspiel bereichern kann

Okt 13

Rezension: Improspiel — Wie Improvisationstheater dein Rollenspiel bereichern kann

In letz­ter Zeit ist ein Trend unter Rol­len­spie­lern zu beob­ach­ten, der wie­der hin zu mehr erzähl­las­ti­ge­rem Spiel geht. Dazu pas­send hat Stef­fen von 3w20 das Buch Play Unsafe von Gra­ham Walms­ley über­setzt. Achim alias PiHalbe hat die Über­set­zung auch gleich als Hör­buch ein­ge­spro­chen. Wie es mir beim hören erging, erfahrt ihr hier.

 

 

Inhalt

In dem Buch beschreibt Gra­ham Walms­ley seine Erfah­run­gen vom Impro­vi­sa­ti­ons­thea­ter und wie diese beim Rol­len­spiel hel­fen kön­nen. Sein ers­tes Bei­spiel ver­deut­licht schon sehr gut, wohin die Reise gehen wird. Er erzählt von einem Aben­teuer, das er gelei­tet hat, und nur mit­tels einer Ser­vi­ette, auf der „Ablen­kungs­ma­nö­ver“, „Hotel“ und „Explo­sion“ stand, vor­be­rei­tet hat. In Impro­spiel geht es darum, Aben­teuer direkt wäh­rend des Lei­tens zu erschaf­fen oder sich als Spie­ler spon­tan gut in das Aben­teuer ein­brin­gen zu kön­nen. Wie gehe ich vor, um auf Ideen oder Erwar­tun­gen der Spie­ler spon­tan ein­zu­ge­hen? Wie stelle ich Cha­rak­tere glaub­haft dar? Wie muss ich rea­gie­ren, damit die Geschichte nicht ins Sto­cken kommt, son­dern wei­ter gespon­nen und span­nend wird?

Das Buch gibt gute Ant­wor­ten auf diese und andere Fra­gen. Dabei stützt sich Walms­ley auf die Ideen zum Impro­vi­sa­ti­ons­thea­ter von Keith Johns­ton und gibt immer wie­der Bei­spiele aus sei­nen Rol­len­spiel­run­den. Es ergibt sich ein abge­run­de­tes Bild und die Pra­xis­nähe der Tipps ist gut. Man kann seine Vor­schläge direkt ins Spiel aufnehmen.

Impro­vi­sa­ti­ons­thea­ter klingt für viele sicher sehr nach Erzähl­spiel. Das trifft zumin­dest für die­ses Buch nicht zu. Ich selbst bin wahr­lich kein Erzähl­spie­ler und habe sowohl für meine Rolle als SL, wie auch als Spie­ler, viele wert­volle Tipps mit­ge­nom­men. Walms­leys Tipps sind recht ein­fach gehal­ten, so dass ihre Anwen­dung jedem gelin­gen sollte.

Dabei dürfte es noch die größte Schwie­rig­keit sein, sie im rich­ti­gen Moment im Hin­ter­kopf zu haben. Im Buch gibt es zum Bei­spiel Tipps, wie man Sta­tus dar­stel­len kann, Sta­tus­än­de­run­gen für die Geschichte nut­zen kann und, dass man gar nicht ver­su­chen soll, beson­ders gut zu sein oder sich genau vor­zu­be­rei­ten. Es geht viel darum „los­zu­las­sen“ und die Dinge auf sich zukom­men zu las­sen und auf seine Intui­tion zu vertrauen.

Berei­tet man sich zu gezielt dar­auf vor eine tolle Szene zu zei­gen, dann wirkt dies meist geküns­telt und man sieht mehr den Ver­such als die tolle Szene. Geht man hin­ge­gen etwas locke­rer heran und lässt tolle Sze­nen sich ent­fal­ten, wenn sie im Spiel ent­ste­hen, dann funk­tio­niert dies nach Walms­ley viel besser.

Bei den Gedan­ken dazu, wie ich selbst das Buch umset­zen könnte, ist mir ein eine kleine Lücke auf­ge­fal­len. Ich bereite als SL meine Aben­teuer gerne gut und schrift­lich vor. Auch als Spie­ler mache ich mir vorab Gedan­ken und Noti­zen dazu, wer mein Cha­rak­ter eigent­lich ist. Das alles mehr oder weni­ger weg­zu­las­sen und spon­tan zu „erschaf­fen“, fällt mir doch noch etwas schwer.

Bei die­sem Schritt könnte das Buch etwas mehr Hil­fe­stel­lung geben. Mei­ner Erfah­rung nach neige ich dazu Geschich­ten bei Impro­vi­sa­tion oft zu „dees­ka­lie­ren“ und somit lang­wei­lig wer­den zu las­sen. Wie man so etwas über­win­det und den Über­gang schafft, da hilft das Buch rela­tiv wenig. Aber das macht nur einen klei­nen Teil des Inhal­tes, daher trübt es den guten Ein­druck nicht beson­ders. Ein Spie­ler oder SL, der sowieso etwas spon­ta­ner am Spiel­tisch ist, als ich es bin, wird hier sicher nichts vermissen.

Spre­cher

Wer PiHalbe noch nicht kennt, der sollte sich sei­nen Pod­cast PiCast anhö­ren. Die Qua­li­tät des Hör­buchs ist noch etwas bes­ser als im Pod­cast und ich hatte kei­ner­lei Schwie­rig­kei­ten, ihn zu ver­ste­hen, auch wenn ich da rela­tiv emp­find­lich bin. Auch Hin­ter­grund­ge­räu­sche oder ähn­li­ches gibt es über­haupt nicht. Der größte  Teil der Auf­nahme ist sach­li­cher Text, die sau­ber ohne unpas­sende Dra­ma­tik ein­ge­spro­chen wurde. In den Abschnit­ten, die z.B. Spiel­ge­sche­hen direkt erzäh­len, ist das anders und hier ist die Beto­nung dann auch ent­spre­chend stär­ker. Die Spre­cher­leis­tung ist wirk­lich gut.

Preis-/Leistungsverhältnis

Die Buch­ver­sion hat 86 Sei­ten und das Hör­buch hat eine Länge von 1:40h. Der Preis beträgt 5€ für das eBook, 10€ für das Taschen­buch und für das Hör­buch eben­falls 10€. Für mehr als andert­halb Stun­den kon­zen­trierte Infor­ma­tion ist das ein guter Preis, mei­ner Mei­nung nach.

Fazit

Das Hör­buch ist ein wert­vol­les und gut auf­be­rei­te­tes Werk um jedem Spie­ler oder SL eine spon­ta­nere Spiel­art näher­zu­brin­gen. Zudem ist es eine große Hilfe Arbeit als SL zu spa­ren und ent­spann­ter hin­ter dem Schirm zu sit­zen. Der Spre­cher ist auch gut und so bleibt mir als Fazit nur eins zu sagen: Kauft die­ses (Hör-)Buch! Mög­lich ist euch das bei PiHal­bes Shop und 3w20.


Unsere Bewer­tung 

Erschei­nungs­bild nicht gewer­tet
Das Hör­buch habe ich als Down­load gekauft und MP3s sehen doch immer wie­der gleich aus.
Inhalt ★★★★☆
Der Autor gibt gute Tipps, wie man am Tisch spon­tan und impro­vi­siert rol­len­spie­len kann. Es ist aber für Leute, die sehr an ihre Vor­be­rei­tung gewöhnt sind, schwer diese Umstel­lung und das „Los­las­sen“ zu schaf­fen. Diese Lücke hätte er etwas bes­ser schlie­ßen können
Spre­cher ★★★★★
Auch wenn ich mir Mühe gebe, finde ich wirk­lich nichts, was ich bemän­geln kann.
Preis-/Leistungsverhältnis ★★★★★
Es ist ein inhalt­lich und qua­li­ta­tiv gutes Buch bzw. Hör­buch und ohne DRM für einen guten Preis erhält­lich. 
Gesamt ★★★★★
Ein sehr hilf­rei­ches Buch, das gut als Hör­buch umge­setzt wurde. Es ist ein klei­ner, aber wert­vol­ler Rat­ge­ber für jeden Spie­ler und Spiel­lei­ter und sehr zu empfehlen.

 

 

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4 Kommentare

  1. Vie­len Dank für die Rezen­sion, Jan! Cool, dass dir die Tipps auch als nicht-Erzählspieler gehol­fen haben. Ich habe da schon unter­schied­li­ches Feed­back bekommen.

  2. Was für Feed­back gab es denn dies­be­züg­lich? Ich ver­su­che ja gerade etwas „erzäh­le­ri­scher“ zu spie­len, von daher passte es bei mir natür­lich gut.

  3. Hm, das kann ich nicht im Ansatz nach­voll­zie­hen. Ich hab mal meine Mei­nung dazu geschrieben.

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