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Februar 16, 2013 Geschrieben von Roger Lewin

Werkstattbericht: Contact RPG — Was macht Robert Hamberger?

Werkstattbericht: Contact RPG — Was macht Robert Hamberger?

Con­tact – das tak­ti­sche UFO-Rollenspiel ist ein Sci­ence Fic­tion Rol­len­spiel, wel­ches die Spie­ler in eine Welt ent­führt, in der Alien-Rassen die Erde unter­wan­dern. Die Spie­ler spie­len die Mit­glie­der einer Spe­zi­al­ein­heit, die sich die­ser Bedro­hung ent­ge­gen­stellt. Das Sys­tem glänzt durch ein sehr tak­ti­sches Wür­fel– und Kampf­sys­tem, wel­ches durch seine hohe Kom­ple­xi­tät eine bestimmte Spie­ler­ni­sche anspricht. Wir haben das Regel­werk im August 2012 bespro­chen. Nun ist es an der Zeit, einen Blick hin­ter die Kulis­sen zu werfen.

RobertHambergerRoger: Hallo Robert, es sind einige Monate ins Land gegan­gen, seit­dem wir Con­tact bespro­chen haben. Du bist der Autor des Spiels. Nicht jeder unse­rer Leser wird etwas mit Dir anzu­fan­gen wis­sen. Stell Dich doch bitte ein­mal vor. Wer bist Du, was machst Du, woher kommst Du, etc.?

Robert: Ich komme ursprüng­lich aus Mainz, bin aber die meiste Zeit in Neuss auf­ge­wach­sen. Von Beruf bin ich eigent­lich Arzt, auch wenn das mit dem Schrei­ben von Rol­len­spie­len in letz­ter Zeit immer mehr gewor­den ist. Achja: Ich bin ein Nerd, wie man sicher unschwer an mei­ner Arbeit erken­nen kann.

Roger: Nerds sind immer gut. Seit Serien wie Big Bang Theory gilt es ja fast als schick, ein Nerd zu sein. Wo wir gerade beim Thema Ner­dis­mus sind: Contact ist ein gutes, aber auch sehr spe­zi­el­les Sys­tem mit einer hohen Qua­li­täts­stufe. Ist das dein ers­tes Sys­tem und wie lange hast Du daran gear­bei­tet? Wie ist die Historie?

Robert: Erst­mal danke für das Lob! Nee, mein ers­tes Sys­tem ist es nicht — aber das erste, mit dem ich zufrie­den genug bin, um es zu ver­öf­fent­li­chen. Wie so viele Rol­len­spiele auf dem Markt begann auch Con­tact sein Dasein zunächst als klei­nes Hob­by­pro­jekt, mit dem ich ein UFO-Invasionsszenario spie­len wol­len. Im Ver­lauf von 4 Jah­ren wurde es dann immer wei­ter inhalt­lich und optisch aus­ge­baut, bis es zu dem gewor­den ist, was man in den Rol­len­spiel­lä­den kau­fen kann. „Spe­zi­ell“ stimmt natür­lich auch, da der der Rol­len­spiel­markt in Deutsch­land trotz sei­ner Über­sät­ti­gung mit Fantasy-Produkten weni­ger für Science-Fiction-Systeme emp­fäng­lich ist. Ich habe kein Pro­blem damit, außer­halb des Main­streams zu ste­hen, solange es einer aus­ge­wähl­ten Menge an Spie­lern trotz­dem Spaß macht.

ATS-X51

ATS-X51

Roger: Dass SciFi in Deutsch­land, bes­ser Europa, tra­di­tio­nell schlech­ter geht, ist ein Fakt, der mir immer mei­nem Her­zen immer einen Stich ver­setzt. Dass Du aber offen­bar doch mit einem sehr mathematisch/taktischem SciFi-System den Nerv eini­ger Nischen getrof­fen hast, zeigt mir, was alles der­zeit zusätz­lich erschie­nen ist. Bereits ver­öf­fent­licht sind die Aben­teuer ATS-X51 und Zug um Zug. Worum geht es in die­sen bei­den Abenteuern?

Robert: Das sind zwei Aben­teu­er­bände, wel­che die Welt von Con­tact aus zwei sehr ver­schie­de­nen Blick­win­keln beleuch­ten sol­len. Sobald man sie gespielt hat, merkt man, dass sie unter­schied­li­cher nicht sein könn­ten. Bei „Zug um Zug“ spielt man ein klas­si­sches Ein­satz­team, das auf einen eili­gen Not­e­in­satz geschickt wird. Man ist sofort mit­ten in der Action, und es geht sofort bein­hart zur Sache und nur noch drun­ter und drü­ber. Ali­ens, irre UFO-Kultisten und ein außer Kon­trolle gera­te­ner Nukle­ar­zug bie­ten eine Menge Zünd­stoff für ein furio­ses Sze­na­rio, bei dem viel geschos­sen wird und so manch ein hals­bre­che­ri­scher Stunt zum Ein­satz kommt. „ATS-X 51″ ist hin­ge­gen das totale Gegen­teil: Dabei han­delt es sich um ein außer­or­dent­lich sto­ry­las­ti­ges Sze­na­rio, bei dem die Spie­ler­cha­rak­tere in eine ganze Reihe von Intri­gen, Spionage-Affären, Ermitt­lun­gen und andere kom­pli­zierte Geschich­ten hin­ein­ge­zo­gen wer­den — und zwar an kei­nem gerin­ge­ren Ort als Area 51.

zug um Zug

Zug um Zug

Roger: Das spricht zwei kom­plett ver­schie­dene Spie­l­er­kreise an. Dau­men hoch dafür! Folgt man dei­ner Prä­senz in den sozia­len Medien, merkt man, dass noch eini­ges mehr in Mache ist. Gehen wir es doch Stück für Stück durch. Fan­gen wir mit dem „ein­fachs­ten“ an: Auf­nä­her. Wo wird es die zu bestel­len geben und wann?

Robert: Von den Auf­nä­hern haben wir zu Pro­mo­zwe­cken auf Con­ven­ti­ons erst mal nur einen Kar­ton voll gemacht, und sie kom­men auch ganz gut an. Aber vor­erst wird es sie auch nur dort geben.

Roger: Spre­chen wir über die Koope­ra­tion mit Ralf Kurt­sie­fer und dem Musik­stück, das man down­loa­den konnte. Wie kam es dazu und wird es einen gan­zen Score geben?

Robert: Da kann ich noch nichts Kon­kre­tes zu sagen. Wir arbei­ten dran! Was wir dann damit machen, ent­schei­den wir, wenn genug Mate­rial da ist.

Roger: OK, und wie kam es zu der Zusam­men­ar­beit mit Ralf? Lass uns etwas hin­ter die Kulis­sen schauen!

Robert: Ralf macht ja auch sonst viel für Uhr­werk, und so kamen wir eben ins Gespräch. Das war eigent­lich total unkompliziert.

Roger : Also das berüch­tigte Vit­amin B. Ich habe nicht schlecht gestaunt, als ich eng­lisch über­setzte Sei­ten von Con­tact sah. Erzähl uns mehr dar­über. Wer über­nimmt den Ver­trieb, wie kam es dazu, wann ist der Release geplant?

Robert: Haha, die eng­li­sche Ver­sion — das ist eine lus­tige Geschichte. Die gabs näm­lich schon vor der Deut­schen. Nach dem Release der Deut­schen wur­den nur noch wenige Ände­run­gen an der Eng­li­schen vor­ge­nom­men, z.B. das Lay­out ange­gli­chen und noch etwas ver­fei­nert. Was den Ver­trieb angeht, so wird es das Buch wahr­schein­lich zunächst nur als PDF zu kau­fen geben, aber ein Ver­trieb der Print­ver­sion über einen eng­li­schen Ver­lag, der auch für andere Sachen mit Uhr­werk zusam­men­ar­bei­tet, zeigt sich auch schon am Hori­zont. Zum Erschei­nungs­da­tum kann ich noch nichts sagen — da hat natür­lich der Ver­lag das letzte Wort.

Contact Englisch

Con­tact RPG auf Englisch

Roger: Con­tact auf dem eng­lisch­spra­chi­gen Markt — es gibt nicht viele stamm­deut­sche Sys­teme, die das schaf­fen. Du sagst, die eng­li­sche Ver­sion gab es vor der Deut­schen? Unge­wöhn­lich. Wieso hast Du ent­schie­den, Con­tact zuerst in Eng­lisch zu schreiben?

Robert: Ich schätze, das war nur ein Anflug von Grö­ßen­wahn, gepaart mit einer gro­ßen Lei­den­schaft für die eng­li­sche Sprache 

Roger: Hah, ertappt! Größe ist wie­der ein gutes Stich­wort. Face­book hat mir ver­ra­ten, dass es ein Pro­jekt namens „Der Schre­cken aus der Tiefe“ gibt. Was ist das?

Robert: Na klar, auf die Größe kommt es trotz der land­läu­fi­gen Mei­nung auf jeden Fall an. Oder zumin­dest auf die Tiefe. Denn aus den Tie­fen der Ozeane kom­men die bösen Ali­ens in die­sem mitt­ler­weile sogar schon so gut wie fer­tig gestell­tem Erwei­te­rungs­band. Ich sage bewusst „Erwei­te­rungs­band“ und nicht „Quel­len­buch“ oder „Kam­pa­gne“, da die Erwei­te­rung alles mög­li­che ein­schließt: Ganz im Stile des Grund­buchs gibt es wie­der Aben­teuer, Bei­spiel­cha­rak­tere, viele NSCs, aber auch neue Aus­rüs­tung, Waf­fen, Fahr­zeuge, zusätz­li­che spiel­bare Ras­sen und natür­lich einige Zusatz­re­geln für das Rol­len­spiel unter dem Meer.

Erst­mals ist darin unter ande­rem auch eine Kurz­ge­schichte von Chris­to­pher Dröge ent­hal­ten, der schon „Die Geis­ter“ für die offi­zi­elle Seite geschrie­ben hat. Hier ist ein Link zu mehr span­nen­den Sto­rys von ihm: Klick. Wei­ter­hin treibt das Erwei­te­rungs­buch auch den Metaplot von Con­tact voran, des­sen Anfang ja schon im Grund­buch ent­hal­ten ist.

Schrecken aus der Tiefe

Der Schre­cken aus der Tiefe

Roger: Das ist viel Mate­rial! Mit wie viel Sei­ten dür­fen wir rech­nen und wann ist die Ver­öf­fent­li­chung angedacht?

Robert: 128 sind es bis jetzt, zum Ver­öf­fent­li­chungs­ter­min steht aller­dings noch nichts fest — ohne mich zu sehr aus dem Fens­ter zu leh­nen kann ich aber sagen, dass die­ser recht bald sein wird. Aber pscht… top secret!

Roger: Alles klar. Das ist in Summe eine Menge Mate­rial. ATS-X51, Zug um Zug, Der Schre­cken aus der Tiefe, die zusätz­li­chen Files von der Web­site — was ist alles neu davon und was war schon fer­tig, als Du noch kei­nen Ver­lag gefun­den hattest?

Robert: Fer­tig war zu dem Zeit­punkt eigent­lich wirk­lich nur das Grund­buch auf Eng­lisch. Als Patric Götz dann eine deut­sche Ver­sion her­aus­brin­gen wollte, began­nen wir die Arbeit an der deut­schen Ver­sion. (bzw.: an der Über­set­zung) Alles andere ist tat­säch­lich spä­ter ent­stan­den und wurde teil­weise auch den Wün­schen und Erwar­tun­gen der Fans angepasst.

Roger: Bis­lang haben wir über die Dinge gespro­chen, die dem auf­merk­sa­men Leser halb­wegs bekannt waren. Was aber sind deine wei­te­ren ange­dach­ten Projekte?

Robert: Ach, wir haben da eine ellen­lange Liste an Büchern, die wir noch für Con­tact schrei­ben und raus­brin­gen wol­len. Mehr Aben­teu­er­bände, Quel­len­bü­cher — z.B. einen Geo­po­li­ti­schen Band über die Erde im Jahr 2047, ein erwei­ter­tes Aus­rüs­tungs­buch, Bücher zu neuen Ali­ens, viel­leicht auch eines, mit dem man als Spie­ler in die Rolle der Inva­so­ren schlüp­fen kann. Aber auch in ande­ren Sys­te­men könnte ich bald etwas zu tun fin­den — ich denke, die Zukunft wird es zei­gen. So wie sie es immer tut.

Roger: Nun werde ich neu­gie­rig. Um das alles zu schaf­fen, müss­test du dei­nen Tag auf 36 Stun­den aus­deh­nen. Wie machst du das?

Robert: Das invol­viert ver­bo­tene Tech­no­lo­gie, wel­che in den fal­schen Hän­den das Uni­ver­sum zer­stö­ren könnte. Des­we­gen soll­ten wir bes­ser gar nicht dar­über sprechen. 

Roger:  Wir haben nun einen kur­zen Rund­flug über die Dinge gemacht, die es für Con­tact geben wird und schon gibt. Gibt es noch etwas, dass du zum Schluss an unsere Leser wei­ter­rei­chen möchtest?

Robert: Kin­der, bleibt immer schön fried­lich, sobald das Rol­len­spiel vor­bei ist. Nehmt unser schö­nes Hobby nicht zu ernst. Es gibt schon genug Dinge im rich­ti­gen Leben, die von sich aus ernst und bit­ter sind. Habt statt­des­sen Spaß, und seht nicht auf andere herab, die eine andere Mei­nung haben als ihr selbst. In die­sem Sinne: Watch the Skies!

Roger: Ach, ver­dammt — sie sind nicht unter uns, son­dern über uns? Damit kom­men wir auch zum Ende die­ses klei­nen Werk­statt­be­richts und ich sage „Danke!“ für deine Zeit

Robert: Ich hab‘ zu dan­ken. Viel Erfolg noch mit den Teil­zeit­hel­den, und Fin­ger weg von der Tech­no­lo­gie, die aus 24 Stun­den 36 macht — das KANN nicht gesund sein. 

 

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