Roger Lewin ist Chefredakteur von Teilzeithelden und wurde in den frühen 70ern geboren. Er schätzt atmosphärisches Spiel und cineastische Systeme, die taktischen Tiefgang bieten. Mit simulativen Schwergewichten kann man ihn jedoch jagen. Seinen mathematisch-taktischen Anspruch erfüllt er bei Tabletops, da vor allem WH40K und X-Wing. Mehr über Roger erfahrt ihr mit einem Klick auf seinen Namen im Kopf des Artikels.

 

Pen&Paper - Ideen & Gedanken
Februar 16, 2013 Geschrieben von Roger Lewin

Werkstattbericht: Contact RPG – Was macht Robert Hamberger?

Werkstattbericht: Contact RPG – Was macht Robert Hamberger?

Contact – das taktische UFO-Rollenspiel ist ein Science Fiction Rollenspiel, welches die Spieler in eine Welt entführt, in der Alien-Rassen die Erde unterwandern. Die Spieler spielen die Mitglieder einer Spezialeinheit, die sich dieser Bedrohung entgegenstellt. Das System glänzt durch ein sehr taktisches Würfel- und Kampfsystem, welches durch seine hohe Komplexität eine bestimmte Spielernische anspricht. Wir haben das Regelwerk im August 2012 besprochen. Nun ist es an der Zeit, einen Blick hinter die Kulissen zu werfen.

RobertHambergerRoger: Hallo Robert, es sind einige Monate ins Land gegangen, seitdem wir Contact besprochen haben. Du bist der Autor des Spiels. Nicht jeder unserer Leser wird etwas mit Dir anzufangen wissen. Stell Dich doch bitte einmal vor. Wer bist Du, was machst Du, woher kommst Du, etc.?

Robert: Ich komme ursprünglich aus Mainz, bin aber die meiste Zeit in Neuss aufgewachsen. Von Beruf bin ich eigentlich Arzt, auch wenn das mit dem Schreiben von Rollenspielen in letzter Zeit immer mehr geworden ist. Achja: Ich bin ein Nerd, wie man sicher unschwer an meiner Arbeit erkennen kann.

Roger: Nerds sind immer gut. Seit Serien wie Big Bang Theory gilt es ja fast als schick, ein Nerd zu sein. Wo wir gerade beim Thema Nerdismus sind: Contact ist ein gutes, aber auch sehr spezielles System mit einer hohen Qualitätsstufe. Ist das dein erstes System und wie lange hast Du daran gearbeitet? Wie ist die Historie?

Robert: Erstmal danke für das Lob! Nee, mein erstes System ist es nicht – aber das erste, mit dem ich zufrieden genug bin, um es zu veröffentlichen. Wie so viele Rollenspiele auf dem Markt begann auch Contact sein Dasein zunächst als kleines Hobbyprojekt, mit dem ich ein UFO-Invasionsszenario spielen wollen. Im Verlauf von 4 Jahren wurde es dann immer weiter inhaltlich und optisch ausgebaut, bis es zu dem geworden ist, was man in den Rollenspielläden kaufen kann. „Speziell“ stimmt natürlich auch, da der der Rollenspielmarkt in Deutschland trotz seiner Übersättigung mit Fantasy-Produkten weniger für Science-Fiction-Systeme empfänglich ist. Ich habe kein Problem damit, außerhalb des Mainstreams zu stehen, solange es einer ausgewählten Menge an Spielern trotzdem Spaß macht.

ATS-X51

ATS-X51

Roger: Dass SciFi in Deutschland, besser Europa, traditionell schlechter geht, ist ein Fakt, der mir immer meinem Herzen immer einen Stich versetzt. Dass Du aber offenbar doch mit einem sehr mathematisch/taktischem SciFi-System den Nerv einiger Nischen getroffen hast, zeigt mir, was alles derzeit zusätzlich erschienen ist. Bereits veröffentlicht sind die Abenteuer ATS-X51 und Zug um Zug. Worum geht es in diesen beiden Abenteuern?

Robert: Das sind zwei Abenteuerbände, welche die Welt von Contact aus zwei sehr verschiedenen Blickwinkeln beleuchten sollen. Sobald man sie gespielt hat, merkt man, dass sie unterschiedlicher nicht sein könnten. Bei „Zug um Zug“ spielt man ein klassisches Einsatzteam, das auf einen eiligen Noteinsatz geschickt wird. Man ist sofort mitten in der Action, und es geht sofort beinhart zur Sache und nur noch drunter und drüber. Aliens, irre UFO-Kultisten und ein außer Kontrolle geratener Nuklearzug bieten eine Menge Zündstoff für ein furioses Szenario, bei dem viel geschossen wird und so manch ein halsbrecherischer Stunt zum Einsatz kommt. „ATS-X 51“ ist hingegen das totale Gegenteil: Dabei handelt es sich um ein außerordentlich storylastiges Szenario, bei dem die Spielercharaktere in eine ganze Reihe von Intrigen, Spionage-Affären, Ermittlungen und andere komplizierte Geschichten hineingezogen werden – und zwar an keinem geringeren Ort als Area 51.

zug um Zug

Zug um Zug

Roger: Das spricht zwei komplett verschiedene Spielerkreise an. Daumen hoch dafür! Folgt man deiner Präsenz in den sozialen Medien, merkt man, dass noch einiges mehr in Mache ist. Gehen wir es doch Stück für Stück durch. Fangen wir mit dem „einfachsten“ an: Aufnäher. Wo wird es die zu bestellen geben und wann?

Robert: Von den Aufnähern haben wir zu Promozwecken auf Conventions erst mal nur einen Karton voll gemacht, und sie kommen auch ganz gut an. Aber vorerst wird es sie auch nur dort geben.

Roger: Sprechen wir über die Kooperation mit Ralf Kurtsiefer und dem Musikstück, das man downloaden konnte. Wie kam es dazu und wird es einen ganzen Score geben?

Robert: Da kann ich noch nichts Konkretes zu sagen. Wir arbeiten dran! Was wir dann damit machen, entscheiden wir, wenn genug Material da ist.

Roger: OK, und wie kam es zu der Zusammenarbeit mit Ralf? Lass uns etwas hinter die Kulissen schauen!

Robert: Ralf macht ja auch sonst viel für Uhrwerk, und so kamen wir eben ins Gespräch. Das war eigentlich total unkompliziert.

Roger : Also das berüchtigte Vitamin B. Ich habe nicht schlecht gestaunt, als ich englisch übersetzte Seiten von Contact sah. Erzähl uns mehr darüber. Wer übernimmt den Vertrieb, wie kam es dazu, wann ist der Release geplant?

Robert: Haha, die englische Version – das ist eine lustige Geschichte. Die gabs nämlich schon vor der Deutschen. Nach dem Release der Deutschen wurden nur noch wenige Änderungen an der Englischen vorgenommen, z.B. das Layout angeglichen und noch etwas verfeinert. Was den Vertrieb angeht, so wird es das Buch wahrscheinlich zunächst nur als PDF zu kaufen geben, aber ein Vertrieb der Printversion über einen englischen Verlag, der auch für andere Sachen mit Uhrwerk zusammenarbeitet, zeigt sich auch schon am Horizont. Zum Erscheinungsdatum kann ich noch nichts sagen – da hat natürlich der Verlag das letzte Wort.

Contact Englisch

Contact RPG auf Englisch

Roger: Contact auf dem englischsprachigen Markt – es gibt nicht viele stammdeutsche Systeme, die das schaffen. Du sagst, die englische Version gab es vor der Deutschen? Ungewöhnlich. Wieso hast Du entschieden, Contact zuerst in Englisch zu schreiben?

Robert: Ich schätze, das war nur ein Anflug von Größenwahn, gepaart mit einer großen Leidenschaft für die englische Sprache 

Roger: Hah, ertappt! Größe ist wieder ein gutes Stichwort. Facebook hat mir verraten, dass es ein Projekt namens „Der Schrecken aus der Tiefe“ gibt. Was ist das?

Robert: Na klar, auf die Größe kommt es trotz der landläufigen Meinung auf jeden Fall an. Oder zumindest auf die Tiefe. Denn aus den Tiefen der Ozeane kommen die bösen Aliens in diesem mittlerweile sogar schon so gut wie fertig gestelltem Erweiterungsband. Ich sage bewusst „Erweiterungsband“ und nicht „Quellenbuch“ oder „Kampagne“, da die Erweiterung alles mögliche einschließt: Ganz im Stile des Grundbuchs gibt es wieder Abenteuer, Beispielcharaktere, viele NSCs, aber auch neue Ausrüstung, Waffen, Fahrzeuge, zusätzliche spielbare Rassen und natürlich einige Zusatzregeln für das Rollenspiel unter dem Meer.

Erstmals ist darin unter anderem auch eine Kurzgeschichte von Christopher Dröge enthalten, der schon „Die Geister“ für die offizielle Seite geschrieben hat. Hier ist ein Link zu mehr spannenden Storys von ihm: Klick. Weiterhin treibt das Erweiterungsbuch auch den Metaplot von Contact voran, dessen Anfang ja schon im Grundbuch enthalten ist.

Schrecken aus der Tiefe

Der Schrecken aus der Tiefe

Roger: Das ist viel Material! Mit wie viel Seiten dürfen wir rechnen und wann ist die Veröffentlichung angedacht?

Robert: 128 sind es bis jetzt, zum Veröffentlichungstermin steht allerdings noch nichts fest – ohne mich zu sehr aus dem Fenster zu lehnen kann ich aber sagen, dass dieser recht bald sein wird. Aber pscht… top secret!

Roger: Alles klar. Das ist in Summe eine Menge Material. ATS-X51, Zug um Zug, Der Schrecken aus der Tiefe, die zusätzlichen Files von der Website – was ist alles neu davon und was war schon fertig, als Du noch keinen Verlag gefunden hattest?

Robert: Fertig war zu dem Zeitpunkt eigentlich wirklich nur das Grundbuch auf Englisch. Als Patric Götz dann eine deutsche Version herausbringen wollte, begannen wir die Arbeit an der deutschen Version. (bzw.: an der Übersetzung) Alles andere ist tatsächlich später entstanden und wurde teilweise auch den Wünschen und Erwartungen der Fans angepasst.

Roger: Bislang haben wir über die Dinge gesprochen, die dem aufmerksamen Leser halbwegs bekannt waren. Was aber sind deine weiteren angedachten Projekte?

Robert: Ach, wir haben da eine ellenlange Liste an Büchern, die wir noch für Contact schreiben und rausbringen wollen. Mehr Abenteuerbände, Quellenbücher – z.B. einen Geopolitischen Band über die Erde im Jahr 2047, ein erweitertes Ausrüstungsbuch, Bücher zu neuen Aliens, vielleicht auch eines, mit dem man als Spieler in die Rolle der Invasoren schlüpfen kann. Aber auch in anderen Systemen könnte ich bald etwas zu tun finden – ich denke, die Zukunft wird es zeigen. So wie sie es immer tut.

Roger: Nun werde ich neugierig. Um das alles zu schaffen, müsstest du deinen Tag auf 36 Stunden ausdehnen. Wie machst du das?

Robert: Das involviert verbotene Technologie, welche in den falschen Händen das Universum zerstören könnte. Deswegen sollten wir besser gar nicht darüber sprechen. 

Roger:  Wir haben nun einen kurzen Rundflug über die Dinge gemacht, die es für Contact geben wird und schon gibt. Gibt es noch etwas, dass du zum Schluss an unsere Leser weiterreichen möchtest?

Robert: Kinder, bleibt immer schön friedlich, sobald das Rollenspiel vorbei ist. Nehmt unser schönes Hobby nicht zu ernst. Es gibt schon genug Dinge im richtigen Leben, die von sich aus ernst und bitter sind. Habt stattdessen Spaß, und seht nicht auf andere herab, die eine andere Meinung haben als ihr selbst. In diesem Sinne: Watch the Skies!

Roger: Ach, verdammt – sie sind nicht unter uns, sondern über uns? Damit kommen wir auch zum Ende dieses kleinen Werkstattberichts und ich sage „Danke!“ für deine Zeit

Robert: Ich hab‘ zu danken. Viel Erfolg noch mit den Teilzeithelden, und Finger weg von der Technologie, die aus 24 Stunden 36 macht – das KANN nicht gesund sein. 

 


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