Sebastian Schroer ist Redakteur bei Teilzeithelden und mit Vorliebe im Feuilleton tätig. Als selbsternannter Hintergrundfanatiker und Immersionsspieler vergräbt er sich gerne in die Atmosphäre fantastischer Welten. Das Star Wars-Universum bildet hierbei sein „Wohnzimmer“. Mehr über Sebastian erfahrt ihr mit einem Klick auf seinen Namen im Kopf des Artikels.

 

Bücher&Comics
März 18, 2016 Geschrieben von Sebastian Schroer

Rezension: Star Wars Rebellion III – Nadelstiche (Dark Horse Comics)

Rezension: Star Wars Rebellion III – Nadelstiche (Dark Horse Comics)

In diesem Comicsammelband wird die Geschichte um die Rebellin Deena Shan weitererzählt, die mit ihren Fähigkeiten und ihrem Schicksal innerhalb der Rebellion hadert. An der Seite der Helden der Rebellion, gerade neben Luke Skywalker, fühlt sie sich unfähig und klein. Kurz bevor sie der Rebellion den Rücken kehren möchte, findet sie sich in einer Selbstmordmission wieder.

Der dritte Band der Rebellion-Reihe ist im Legends-Universum angesiedelt und damit nicht mehr Teil der neuen Kontinuität.

Hinweis: Legends kontra neuer Kanon

Ein Punkt, der jedem interessierten Leser hier klar sein muss, ist, dass es sich hierbei um eine Fortführung einer bestehenden Handlungsreihe aus dem Legends-Universum handelt. Obschon die Lucas Story Group auch über diese Veröffentlichung wachte, ist die Handlung in dieser Geschichte mit all ihren Geschehnissen von nun an nicht mehr Teil des aktuellen kanonischen Universums.

In anderen Punkten mag dies weniger Gewicht haben, doch hier beschreibt der Comic eine Ära, die just aus der Feder Marvels, wie durch neue Buchveröffentlichungen, neu behandelt wird. Man kann diesen Comic also nicht parallel zu Publikationen wie etwa dem Jugendroman Verlorene Welten von Claudia Gray lesen, ohne sich mitunter über die unterschiedliche Atmosphäre wundern zu müssen.

Damit sei auch gleich der große Unterschied zu den neuen Veröffentlichungen im kanonischen Universum erwähnt, der sich auch in den Marvel-Comics wiederfindet. Die Darstellung ist etwas dreckiger, etwas direkter. Die Bösen sind etwas brachial-böser, während die Guten etwas brachialer gut sind. Der gesamte Galaktische Bürgerkrieg ist schmutziger, erfüllt von mehr Explosionen und grimmigerer Entschlossenheit.

Dies findet sich auch in den Charakteren. Führt man sich vor Augen, dass Luke Skywalkers erster Einsatz für die Rebellion während der Schlacht von Yavin gerade einmal neun Monate zurückreicht, wirkt er doch arg abgeklärt, arg mit dem gesamten Krieg vertraut und als Kommandant gesetzt. So kann er es hier auch schon zunächst mit einem Trupp Sturmtruppler nur mit seinem Lichtschwert aufnehmen, ehe er dann doch überwältigt wird. Die Charaktere auf Seiten der Rebellion wirken abgehärteter, während ihre Gegenspieler offensichtlicher bösartig wirken. Man hat also eine klare Schwarz-Weiß-Trennung, die gerade in neuerlichen Geschichten, die die Zeit des Galaktischen Imperiums beschreiben, durch menschlichere Darstellung des Imperiums positiv aufgeweicht wurde.

Handlung

Der Handlungsbogen beginnt dort, wo die Vorgängergeschichte stoppte: direkt nach der Beinahe-Vernichtung der Flotte der Rebellion. Darth Vader verwickelte die gesamte Rebellenstreitmacht, im Nachklang der Vernichtung des Todessterns, in eine absolut unterlegene Schlacht. Nur um Haaresbreite konnte die Flotte Darth Vaders Todesgriff entkommen und flieht nun verstreut und vom Imperium verfolgt durch den Hyperraum.

Deena Shan befindet sich zusammen mit Prinzessin Leia Organa und Luke Skywalker, dem Helden der Schlacht von Yavin, an Bord des Rebellenschiffes Rebel I. Sie hadert mit ihren Fähigkeiten, sieht sich unfähig mit den großen Helden in ihren Reihen mitzuhalten. Ihr Selbstbewusstsein nähert sich so dramatisch einem Nullpunkt, dass nicht einmal Luke Skywalkers Ermunterungen ihre Stimmung heben können. Vielmehr scheint sie durch dessen positive Art noch viel niedergeschlagener.

Just als Deena bereits die Entscheidung fällt, der Rebellion den Rücken zu kehren, findet sich die Rebel I unverhofft an einer taktischen Schlüsselposition wieder. Ohne direktes Ziel, nur hoffend den imperialen Verfolgern zu entkommen, verließ das Schiff zuvor den Hyperraum bei der Bannistar-Station. Die Station dient dem Imperium als Versorgungsbasis im Mittleren Rand der Galaxis, um von dort aus dutzende Sternenzerstörer mit Treibstoff und Nachschub zu versorgen. Ein gemeinsamer Angriff gelang bisher nie.

Verborgen nähert sich die Rebel I, erpicht darauf, keine Aufmerksamkeit im Strom der dutzend anfliegenden Schiffe auf sich zu ziehen. Mit einem bisher unerreichbaren Ziel vor Augen, planen die Kommandeure auf der Brücke der Rebel I eine Selbstmordmission, um die Station zu zerstören. Noch ehe Deena Shan das Schiff verlassen kann, um der Rebellion den Rücken zu kehren, wird sie durch die Pläne umgestimmt. Noch einmal kann sie sich motivieren ihr Leben zu riskieren, um der Rebellion zu helfen.

Die Handlung des Comicbandes ist spannend, wie sie geradlinig ist. Die Standorte sind festgelegt. Als Leser wird man nicht von der Handlung selbst überrascht als vielmehr mit den kritischen Entscheidungen, die die Protagonisten zu fällen haben, konfrontiert.

Charaktere

Den Fokus nimmt ganz deutlich Deena Shan ein, deren jeweilige charakterliche Stärken und Schwächen den Handlungsbogen vorantreiben. Sie wird als durchaus fragile Persönlichkeit gezeigt, die, wenn sie durch die Umstände genötigt wird, für sich selbst unerwartetes Potenzial entfalten kann. Dabei werden das Erreichen von Zielen und das Bewältigen von aus ihrer Sicht unüberwindlichen Hindernissen konsequent dargestellt, ohne den Charakter plötzlich zu überzeichnen.

Luke Skywalker wird als typisch kampferfahrener, selbstloser und abgehärteter Held präsentiert. Prinzessin Leia Organa präsentiert sich als ebenso als harte Befehlsgeberin, die schwierige Entscheidungen zu treffen vermag, selbst wenn diese den Tod der ihr Unterstellten bedeuten. Zusätzlich zeigt sie, dass sie durchaus selbst in der Lage ist, an Gefechten aktiv teilzunehmen.

Die Gegenseite wird relativ stereotyp dargestellt. Commander Arno D’Vox kommandiert die Bannistar-Station, wie man es von einem imperialen Offizier erwarten würde, der sich auf eine Randstation abgeschoben fühlt. Er ist auf den persönlichen Vorteil aus. Sein Sicherheitschef, Red Rishyk, fungiert als personifizierter Stereotyp eines sadistischen Sicherheitsoffiziers, der froh ist, etwas erleben und seine Langeweile physisch an jemandem abarbeiten zu können. Überraschende Charakterentwicklungen sind bei den imperialen Charakteren leider nicht zu finden.

Generell bekommt man erwartbare, gängige Stereotypen geliefert. Das sadistische, egozentrische Imperium mit seinen Sturmtrupplern und Offizieren kontra die Rebellen, die sich nur dann intern nicht einig sind, wenn man sie nicht auf Selbstmordkommandos lassen möchte, um die Galaxis oder ihre Freunde zu retten. Die Nebencharaktere zeigen erst durch ihre Verflechtungen in der gesamten Comicreihe ihren wahren Tiefgang. Isoliert auf diesen Teil des Comics betrachtet, wirken sie mitunter oberflächlich.

Zeichenstil

Jeremy Barlow, ein bekanntes Gesicht in der Familie der Star Wars-Zeichner aus dem Hause Dark Horse Comics, fungierte als Autor. So schrieb er neben der Rebellion-Serie auch an der Empire-Comicreihe und an diversen einzelnen Comics.

Als Zeichner arbeitete Colin Wilson an diesem Comic. Wilson ist ebenfalls ein bekannter Name aus dem Hause Dark Horse Comics, der mit den Legacy-Comics und der Invasion-Reihe bereits andere Star Wars-Comics aus der eigenen Feder fließen ließ.

Wer die Star Wars-Comics von Dark Horse kennt, wird sich auch hier schnell in einem erwachsenen, teils etwas gröberen Szenario wiederfinden. Die Bilder sind mitunter kantig und hart gezeichnet. Dennoch kommen atmosphärische Darstellungen der Umgebung nicht zu kurz, fallen jedoch hinter dem schnelleren, actiongeladenen Fokus der Geschichte zurück. Gerade die Charaktere sind durchaus hart gezeichnet, wodurch jedoch der Kontrast zu jenen weicheren, skeptischen Momenten um den Charakter Deena Shan merklich herausgestellt und betont wird.

Preis-/Leistungsverhältnis

128 Seiten werden für 12,99 EUR angeboten. Damit bewegt sich dieser Band im typischen Preis-/Leistungsverhältnis der Comic-Sammelbände. Der Preis stimmt für das, was man geboten bekommt: Eine grundsolide Fortsetzung der Rebellion-Reihe.

Erscheinungsbild

STARWARSMASTERS13REBELLIONIIINADELSTICHE_Softcover_806Auf dem Cover sind vier B-Flügler in einer Kampfformation dargestellt. Um die Schiffe zucken Lasersalven, während sie selbst das Feuer zu erwidern scheinen. Auf der Rückseite ist ein Nahkampf zwischen Deena Shan und Red Rishyk dargestellt, den Letzterer grimmigen Gesichtes zu gewinnen scheint.

Die harten Fakten:

  • Verlag: Panini Comics
  • Autor(en): Jeremy Barlow
  • Zeichner(in): Colin Wilson
  • Erscheinungsjahr: 2016
  • Sprache: Deutsch
  • Format: Comic-Sonderformat
  • Seitenanzahl:128
  • Preis:12,99 EUR
  • Bezugsquelle: Amazon

 

Bonus/Downloadcontent

Am Ende des Comics sind vier Covervarianten zu finden. Weiterer Bonusinhalt ist nicht vorhanden.

Fazit

In sich wirken die Charaktere konsistent, bezieht man ihre Bewertung auf diesen Comic. Allein der Hauptcharakter Deena Shan bricht dort aus. Ihre Selbstzweifel sind überaus gut dargestellt. Damit wirkt dieser Charakter menschlich. Es wird herausgestellt, wie sich der normale Rebellensoldat in der Nähe solcher Größen wie Prinzessin Leia und Luke Skywalker fühlen muss. So wird klar, dass eben nicht jeder Rebell ein hartgesottener Tausendsassa ist, dem nichts etwas anhaben kann, der voller Tollkühnheit in jeden Auftrag hineinsprintet. Dies tut der Geschichte gut.

Ein Wermutstropfen ist jedoch die Vergangenheit von Deena Shan, die in Vorgängercomics erzählt und hier in Form von Erinnerungen rekapitulierend wiederholt wird. Fasst man diese zusammen, so entfällt das Prädikat „einfacher Rebell“ auch für Deena Shan, denn auch sie erlebte bereits mehr als ein absolut dramatisches Ereignis mit ihr als Hauptakteurin im sprichwörtlichen Auge des Sturms. Für die comicübergreifende Konsistenz in der Charakterdarstellung Shans gibt es daher eine deutliche Note Abzug. Die Selbstzweifel dieses Charakters und ihre Argumentation über die eigene Normalität wirken vor dem Hintergrund früherer Ereignisse deplatziert und inkonsistent. Dennoch, isoliert man die Handlung auf diesen Comic allein, wirkt die Charakterentwicklung passend.

Was mich deutlich zum Stirnrunzeln brachte, war das Ende des Comics. Das Imperium verliert diesen Konflikt urplötzlich aufgrund einer geradezu irrwitzigen Beschreibung der Treibstofftanks auf der Bannistar-Station. Hier wirkt die absehbare, fast vollständige Zerstörung der Station abgerissen, unglaubwürdig und kurz gefasst. Ich hätte mir hier einen nachvollziehbareren und angemesseneren Wendepunkt in der Geschichte gewünscht. Auch hierfür muss ich leider bei diesem eigentlich gelungenen Comic einen Punkt abziehen.

Daumen3maennlich

Artikelbilder: Panini Comics
Dieses Produkt wurde kostenlos zur Verfügung gestellt.

 


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